Überwachung öffentlicher Räume

Dezember 1, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

„Die Kontrolle vollzieht sich durch Beteiligung, in gemeinschaftlicher Mitarbeit und sogar warenförmig. Gerade damit könnte die Demokratisierung helfen, das Problem der Kontrolle zu lösen, das ein Entscheidungsträger von Scotland Yard im Jahre 2008 als das »wahre Fiasko« der Videoüberwachungskameras bezeichnet hatte. Diese Kameras sind tatsächlich unwirtschaftlich und verhältnismäßig ineffektiv. Ihr Einbau und ihre Wartung verlangen nicht nur hohe Investitionen, sondern man muss auch, sobald diese Kameras eingerichtet sind, Leute bezahlen, um die Bilder zu prüfen, was die Kosten beträchtlich erhöht. Diese Technologie dient somit vor allem dem Versuch, bereits begangene Vergehen oder Verbrechen aufzuklären, doch die Qualität der angesehenen Bilder ist oft unzulänglich.“

Fréderic Gros: Die Politisierung der Sicherheit. Vom inneren Frieden zur äußeren Bedrohung, Berlin 2015, S. 219.

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Trump veröffentlicht die JFK Akten? – Warum das gar nicht spektakulär ist.

Oktober 27, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

In der letzten Woche sah ich immer wieder die Meldung, daß Präsident Trump sich mit dem „Veröffentlichen“ der JFK Akten brüstet und dies für Verwirrung sorgt.

Dazu sollte man wissen, daß alle Akten einer Schutzfrist unterliegen. Wenn sie Informationen für einen Staat beinhalten oder Informationen über Personen oder gar noch lebende Personen, so kann sich diese Frist unterscheiden. Über den Daumen gepeilt, sind es in Deutschland z.B. etwa 30 Jahre. In den USA unterscheidet sich diese Frist. Nunja, wenn diese Frist abgelaufen wird, werden die Akten nicht „veröffentlich“ als solches, sondern stehen in den Archiven zur Einsicht und Bearbeitung bereit. Meist ist es ein Fachpublikum, das Interesse daran hat, etwa Historiker und Journalisten, um die Geschehnisse aufzuarbeiten. Diese veröffentlichen dann Arbeiten mithilfe der Akten, publizieren Auszüge oder bereiten Quellensammlungen auf. Bei besonders sensiblen Datenbeständen kann diese Frist auch verlängert werden. Soweit ich weiß, stehen im Endeffekt alle Akten irgendwann dem Fachpublikum zur Verfügung. Von „Veröffentlichen“ kann man von Trumps Seite also gar nicht sprechen und auch nicht wirklich davon, daß es seine Entscheidung ist.

Demnächst kann man sich also um mehr Artikel und wissenschaftliche Arbeiten zu dem Thema freuen. Erfahrungsgemäß gibt es dann ganz fix eine Flut, weil jeder der „Erste“ sein will.

Enttäuschende Bundestagswahl

September 24, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

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Nicht nur die Ergebnisse sind enttäuschend, bzw. bisher die ersten Hochrechnungen, sondern auch das Vorgehen selbst. Seit Jahrzehnten liegen bei uns in den Wahlkabinen nur Bleistifte aus. Daß diese nicht dokumentenecht sind, muß nicht noch erklärt werden. Auch wenn man das bei den Verantwortlichen anspricht, ändert sich nichts. Einen Kulli muß man immer selbst mitbringen, wenn man will, daß die Stimme die bleibt, die sie ist. Da braucht es gar keine unverschlüsselten Datenübermittlungen, die die Wahl manipulieren können. Es beginnt in der Kabine selbst.

Der Immatrikulationswahnsinn

August 7, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

Besonders zum Wintersemester hin schreiben sich viele junge Student*innen ein und beginnen ein ganz neues Leben ohne Eltern… Zumindest war das bis vor einigen Jahren so. Inzwischen ist das Verwaltungsgebäude zu Immatrikulationszeiten einfach nur Wahnsinn. Ich versuche es zu vermeiden, außer es geht gar nicht anders und ich muß den ein oder anderen Vertrag doch unterzeichnen. Das Personalbüro liegt im zweiten Stock, die Student*innen müssen nur in den Ersten, das muß doch zu regeln sein. Denkste! Wie seit Jahrzehnten stehen Student*innen vor dem Studierendenbüro in einer Schlange, die draußen bis auf die Straße reicht. Das kann nervtötend sein, aber wir mußten alle schon einmal durch und haben das alle erfolgreich ertragen und sind an dieser Aufgabe gewachsen. Was sich geändert hat, sind die Eltern, die nun dabei sind. Die sind weniger kommunikativ und glauben im Recht zu sein, auch wenn sie nicht wissen, wovon. Nunja, als Mitarbeiter*in muß man nicht in das Studierendenbüro, sondern einmal quer durch diese Schlange durch und die Treppe hoch, wie ich sagte: 2. Stock. Das scheint für viele ein Problem zu sein. Die Vorstellungskraft gerät an ihre Grenzen und man wird aufgehalten und auf’s Gröbste an das Ende der Schlange verwiesen. Dies tun nicht die zukünftigen Student*innen, weil die in den meisten Fällen noch den Satz „Darf ich durch? Ich muß die Treppe hoch“ verstehen, sondern die Eltern, die sogar handgreiflich werden und den Durchgang verweigern. Es ist Chaos und unerträglich.

Liebe Eltern, Eure Kinder sind erwachsen genug, sich zu immatrikulieren, sie sind erwachsen genug, alleine zu wohnen und selbständig zu lernen. Laßt ihnen doch die Erfahrung und laßt die armen Mitarbeiter*innen, die einfach nur sicher durch die Gänge wollen in Ruhe. Keine*r hat Lust darauf, von Ihnen angetatscht und angepöbelt zu werden.

Liebe zukünftige Student*innen, Ihr schafft das auch ohne Eltern. Selbst wenn sie Euch fahren, geht doch alleine ins Gebäude, die Mitarbeiter*innen werden sich darüber freuen. Bald seid ihr sowieso mit ihnen alleine. Die meisten Mitarbeiter*innen der Universitäten wollen, daß Ihr gut durchkommt, viel lernt und stehen Euch mit ihrer Hilfe zur Seite. Nutzt das!

Einen erfolgreichen Start ins Erwachsenenleben wünscht Euch,

Miss.

Der kleine Sexismus im Alltag 2

Juli 21, 2017 § 2 Kommentare

Beim Abendessen wurde meinem Verlobten doch wirklich gesagt, daß die zwei „Männer“ am Besten alleine die politische Diskussion weiterführen sollten, weil die Frauen ja hysterisch sind und keine Ahnung haben, wovon sie reden. Die Frauen hatten dabei in der Runde die höheren Abschlüsse und waren einfach nur anderer Meinung.

Hysterie und Frausein scheint heutzutage synonym verwendet zu werden. Welch eine Welt!

Der große Wunsch nach Leichtigkeit im Leben

Juli 19, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

Den Wunsch, daß das Leben leichter, bunter, schöner wäre, hege ich auch. Ich mag den Gedanken, daß es doch ganz einfach laufen kann, wenn man nur etwas Mut hat und Schönes macht. Irgendjemand wird es mögen. Man kann so bestimmt sein Leben bestreiten. Man schreibt über Erfolgsgeschichten, weil alles andere sich nicht zu schreiben lohnt, um Mut zu machen und zu inspirieren. Wenn der Gedanke auch noch so schön sein mag: Erfolg haben mit schönen Dingen kann jeder, aber nicht alle.

Ich liebe schönes Papier zum Schreiben, zum Basteln, für Handwerkszeug. Ich liebe es Briefe zu verschicken und Postkarten und ich liebe es, sie selbst herzustellen. Ich male und manche finden es sogar hübsch und das macht mich glücklich, weil ich mir vorstelle, die Welt um mich herum etwas netter und bunter zu gestalten. (Ich meine, wer freut sich nicht über einen Brief oder eine Postkarte?)

Weil ich schöne Illustrationen und Papier mag, kaufe ich mir manchmal die Zeitschrift flow. Ich vermute, ich bin zumindest teilweise Zielpublikum. Frauen, halbwegs klug, mit einem Hang zum Schönen und einer Liebe zum Papier (die Illustrationen sind auch wahnsinnig schön und ansprechend). Leider fürchte ich, daß ich zu kritisch bin und das macht mir diese Schön-Rede-Welt kaputt. Die Artikel sind für mich furchtbar. Es ist immer der gleiche Quark. Man muß sich trauen, dann hat man Erfolg mit seinen Vasen, Schmuck, Bildern, Musik. Was ist eigentlich mit all den Arbeiten, die weniger ästhetisch sind und dennoch erledigt werden müssen, haben diese Menschen keinen Anspruch auf Schönheit im Leben? Sind das nicht auch großartige Erfolgsgeschichten? Die werden, meiner Meinung nach, zu wenig geschätzt. In der letzten Ausgabe (flow Nr 26) gab es einen Artikel über „Mutige Frauen in Afghanistan“ (S. 46-50), in dem es um Frauenrechtlerinnen aus Afghanistan geht, die etwas im Land zu bewirken versuchen. Großartig! Wichtig! Ich habe so gerne über diese Frauen gelesen, weil ich glaube, daß es wichtig ist, die Welt zum besseren zu verändern. (Oder es zumindest zu versuchen.) Eine der Frauen, um die es geht, muß aus Angst vor einem Übergriff wegen Morddrohungen täglich einen anderen Weg zur Arbeit nehmen, um dennoch ihren Radiosender betreiben zu können. Eine andere lebt für Musik und eine dritte für das Radfahren, was ihnen von der männlich dominierten Gesellschaft nicht gestattet ist. Es ist der kleine und große Kampf für Freiheiten, die diese Frauen führen.

Wie gesagt, genoß ich das Lesen über diese Schicksale sehr. Leider machte die Autorin, Nahid Shahalimi, gerade mit dem letzten Absatz ihres Artikels alles zunichte. Sie schrieb, daß die Schicksale dieser Frauen zeigen, daß „man […] nur ein gutes Herz, Leidenschaft und Mut [braucht], um etwas zu bewegen – nicht nur in Afghanistan, sondern überall auf der Welt. Und all das gibt es umsonst, es steckt schon in us.“ Vielleicht bin ich zu kritisch, aber ich stolperte nicht nur über diesen Satz, er schien mich regelrecht im Anlauf ins Gesicht zu boxen. Zum einen glaube ich, daß in jedem Krisengebiet mehr notwendig ist als ein gutes Herz, Leidenschaft und Mut, um etwas zu bewegen. Man muß auch Verbindungen haben, etwas Glück und mindestens einen Menschen, der einen unterstützt. Sonst steht man schnell auf verlorenem Posten. Das zweite, was mir mißfällt ist, daß man das als „leicht“ empfindet. Es klingt wie ein Vorwurf an alle die Frauen, die das nicht können oder tun. „Man braucht doch nur etwas Mut und ein gutes Herz“. Was soll das also, ihr schlechten, leidenschaftslosen Feiglinge? Wärt ihr nicht, wäre die Welt besser! So einfach ist das sicher nicht. Es ist die Erste Welt Mentalität, die anderen aufgedrängt wird und die nicht einmal hier funktioniert! Nur dieser Satz klingt für mich wie eine wahnsinnige Beleidigung aller Menschen, die ihr Leben dem Guten widmen, die dafür kämpfen, daß die Welt besser wird. Warum nicht Anerkennen, daß es eine Leistung ist, für seine Leidenschaften zu kämpfen? Warum muß man sagen, daß alle das können sollten, daß man doch gar nicht so viel dafür braucht?

Es kann eben jeder Erfolg haben, aber nicht alle. Nicht jedem fällt der Erfolg zu, für manche Errungenschaften, Rechte und Freiheiten muß man eben kämpfen. Das ist nicht leicht, egal wie sehr man wünscht, daß es leicht wäre.

Ein paar Gedanken am Nachmittag…

Liebe Grüße

Überschallflugzeug über dem Main Kinzig Kreis

Juli 14, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

Vor gerade 15 Minuten, um 18:55 am 14.07.2017, knallte es am Himmel. Einmal. Zweimal. Wieder flog ein (?) Überschallflugzeug über die Wohngebiete des Main Kinzig Kreises und die Häuser wackelten. Die ratlosen Bewohner sammelten sich auf den Straßen und guckten verwirrt in den Himmel. Ist nun Krieg? So fühlt es sich zweifelsohne an hier. Es kann einfach nicht sein, daß man Überschallflugzeuge über Wohngebiete fliegen läßt. Schon wieder. Man hat als Bewohner dieses Landes wohl nicht mehr viel zu erwarten, wenn es so weiter geht.

Ich bin entrüstet, enttäuscht und leider vor Ort.

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