Lauresham –

Februar 11, 2015 § Hinterlasse einen Kommentar

Hallo liebe Leser,

für Interessierte und Reenactmentbegeisterte gibt es nun das Projekt Lauresham. Lauresham ist die Quellenbezeichnung für das Kloster Lorsch. Das Kloster besteht bereits seit dem 8. Jahrhundert und kleine Reste davon sind auf dem Klosterhügel zu erkennen. Außerdem wird derzeit an neuen Möglichkeiten und Zugängen gearbeitet. So sollen noch in diesem Jahr neue Museen eröffnen. Unter anderem das „Freilichtlabor Lauresham“. Mithilfe von Experimentellarchäologen wurde dort für eine stattliche Summe Geld ein „karolingisches Dorf“ aufgebaut. Als Historiker hatten wir letzte Woche Gelegenheit uns dieses anzusehen. Diese Arbeit ist für Historiker, die doch eine Vorliebe für das geschriebene Wort haben, eher befremdlich und so durften wir unserer Neugierde Ausdruck verleihen. Ich etwa, habe mit Vorliebe alles Anfaßbare angefaßt.

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Das schöne Wetter bei unserem Ausflug ist etwas trügerisch gewesen, es war furchtbar kalt und wir froren sehr. Die Hütten waren unbewohnt und daher auch unbeheizt. Offenbar durften jedoch zuvor schon Reenactmentgruppen das Dorf probewohnen.

Schön war es auch, die Tiere zu sehen. Die Hühner liefen frei herum, die anderen (auch die Hunde) waren in Gehege gesperrt. Wenn das Dorf jedoch stärker frequentiert werden sollte, wird es auch für die Hühner etwas stressiger, kann ich mir vorstellen.

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In einigen Gebäuden wurde Handwerk dargestellt. So gibt es etwa einen Webstuhl, an den zukünftig auch mal die Gäste weben üben sollen. Die Produktion der verwendeten Materialien soll auch auf dem Gebiet des Dorfes ausprobiert werden. So berichtete man uns von einem Vorhaben Flachs anzubauen. Rebstöcke stehen bereits bereit und auch sonst findet man Gemüse- und Kräuterbeete um die Häuser herum.

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Ich muß gestehen, daß ich das Vorhaben löblich finde und es nett ist, wenn sich darum bemüht wird, experimentell zu arbeiten. Jedoch ist mir nicht ganz klar, inwiefern sich die Arbeit in diesem Freilichtlabor wirklich mit der in einem mittelalterlichen Dorf vergleichen läßt. Etwa stellt man hier mehrere Sensen her, um feststellen zu können, welche bequemer zu benutzen sind und will daraus dann schließen, daß sie ebenso im Mittelalter benutzt wurden. Bei dieser Art Argumentation gerät man sehr schnell in einen Anachronismus und tappt damit in die Falle Schlüsse zu ziehen, die man einfach nicht ziehen kann. Diese Probleme beginnen jedoch schon viel früher, etwa bei der Konstruktion der Häuser. Diese ist unbekannt. Man wirft also Einflüsse aus dem europäischen Raum zusammen und bietet Möglichkeiten an, wie dies „so gewesen sein könnte“. So gibt es etwa unterschiedliche Dachkonstruktionen zu beschauen. Ohne Frage ist dies interessant, den Erkenntnisgewinn schätze ich für Historiker jedoch eher als marginal ein.

Besser zu nutzen wäre das Freilichtlabor als Ausflugsziel für Schulklassen und eben Reenactmentgruppen.

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Nach dieser Führung machte ich noch eine kleine Runde über den Klosterberg. Hier zwei Bilder von der noch erhaltenen Torhalle des Klosters sowie einer Kapelle. Die Kapelle wird derzeit renoviert und ist nicht zugänglich – man erklärte mir jedoch auch, daß es dort „nichts zu sehen“ gäbe. Keine Malereien. Architektonisch scheint es mir dennoch interessant zu sein. Der Besuchermagnet ist jedoch die Torhalle, in der man sogar noch Bilder an der Wand bestaunen kann – insofern man eine Führung bekommt. Für mich als einzelne Person gab es leider keine…

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Falls Interesse vorhanden ist, empfehle ich einen Ausflug ab April – laut Informationen, die mir dort zukamen, soll da das Dorf, die Zehntscheune, die gerade zu einem Museum ausgebaut wird, sowie die Kapelle zugänglich sein.

Schöne Abenteuer durch das mittelalterliche Deutschland!

Miss A.

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