Mein ambivalentes Verhältnis zum Gesetz…

Juni 22, 2018 § Hinterlasse einen Kommentar

Es ist kein Geheimnis unter denen, die mich kennen, dass mein Verhältnis zum Gesetz ambivalent ist. Das liegt nicht daran, dass ich es gerne breche, sondern daran, was ich für moralisch vertretbar halte und richtig finde. Manchmal sind Gesetze eben einfach nicht „gut“.

Dies sagte schon ein Professor zu Studienzeiten, als wir uns am Rande eines Philosophieseminars über „gut“ und „schlecht“ und Gesetze unterhielten. Gut bedeutet in diesem Falle, dass Gesetze das, was sie regeln sollen, wirklich regeln. Gut bedeutet auch, dass die Gesetze moralisch einwandfrei sind. Als Beispiele für „schlechte Gesetze“ wird gern die Zeit des Nationalsozialismus genannt, in der es Gesetze zur Deportation der Juden z.B. gab. Diese Gesetze sind zwar auch Gesetze, sind aber moralisch nicht vertretbar. Sie handeln gegen die eigene Bevölkerung und sind menschenrechtswidrig. Dass sie moralisch nicht vertretbar sind, muss man in diesem Fall nicht noch erwähnen. Auch in unserer Verfassung bzw. dem BGB finden sich immer wieder Gesetze, die nicht „gut“ sind. Glücklicherweise sind das gar nicht so viele. Die Zahl scheint jedoch mit den neuen Regelungen zu steigen. Die DSGVO wurde zwar mit guten Absichten in die Wege geleitet, hat aber überwiegend negative Konsequenzen für jeden, der im Internet unterwegs ist. Diese Regelung löste nicht die Probleme, die sie lösen wollte. Die Gesetze, die von Trump erlassen werden, scheinen ebenfalls nicht zu den guten zu gehören.

Wenn Juristen jedoch die Gesetze verteidigen, weil das Recht auf ihrer Seite sei. So muss man ihnen zustimmen, das Recht ist es. Die Umsetzung schlechter Gesetze mag rechtens sein, aber moralisch ist es auf keinen Fall. Daher ist ein Protest gegen Mißlagen wichtig und nicht selten notwendig. Gesetze können nämlich korrigiert und angepasst werden. Es ist wichtig als Gesellschaft zu wachsen und nicht zurückzufallen.

Habt einen angenehmen Tag,

Lana

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Wenn man erst klagen muss, ist es keine Gleichberechtigung…

Juni 17, 2018 § Hinterlasse einen Kommentar

English version below.

Die Frage der Gleichberechtigung und Feminismus ist eine, die mich oft beschäftigt. So habe ich mich diese Woche dazu hinreißen lassen unter ein Video auf YouTube zu kommentieren, in dem behauptet wurde, dass Gleichberechtigung den deutschen Frauen „nicht so wichtig“ sei. Dies halte ich für falsch. Auch anderen Kommentaren, die etwa behaupten, dass weil Frauen in Deutschland bereits so viele Rechte hätten, ihnen diese nicht so wichtig sind, widersprach ich. Dabei wurde ich auf’s heftigste angefeindet mit zwei Argumenten:

  1. Du kannst dir die Rechte einklagen, etwa die gleiche Bezahlung bei gleichen Stellen. Dabei ging es um den sogenannten pay gap. Männer erhalten für die gleiche Arbeit oft höhere Löhne. Das stimmt zwar, aber wenn man dies als Grundannahme nimmt, so gibt es kaum Diskriminierung, man muss sich nur alles einklagen. Meiner Meinung nach, ist dies falsch. Wenn man erst klagen muss, um gleich behandelt zu werden, dann wird man bereits diskriminiert und dann stimmt etwas in der Gesellschaft gewaltig nicht. Außerdem nehmen die Arbeitgeber, die ungleiche Löhne bezahlen, an, dass nur die wenigsten sich ihr Gehalt einklagen würden und wenn ein*e Arbeitnehmer*in das tut, wird er/sie den Job sicher nicht lange behalten.
  2. Auf meinen Hinweis – und es ging im Video und in den Kommentaren um Deutschland – dass die Gleichberechtigung von Frauen in Deutschland ebenfalls noch Arbeit und Entwicklung fordert, weil Probleme wie der pay gap, Männer in den Vorständen und mansplaining so verbreitet sind, wurde mir auf höchst unhöfliche Art und Weise geantwortet, dass ich damit einstecken solle, weil Frauen heftigere Probleme, wie Verstümmelung etc. in anderen Ländern haben. Ja, das habe ich nie bestritten und es sind Probleme, die dringend angegangen werden müssen. Aber zu behaupten, dass kleine Probleme keine seien, ist wie zu sagen „du hast das Recht zu wählen, nun halt die Klappe!“ Es ist keine Gleichberechtigung, es ist ein Knochen, den man hungrigen Hunden hinwirft in der Hoffnung, dass diese verstummen und weggehen. Daher bin ich der Meinung, dass alle Probleme gelöst werden sollten und selbstverständlich ist es mir bewusst, dass in Deutschland diese nicht so gravierend sind, wie in anderen Ländern. Dass es sie jedoch gar nicht gibt, ist ein vorschnelles Urteil.

Auch „kleine“ Probleme fordern Lösungen. Wenn man sich seine Rechte erst einklagen muss, lebt man wohl in einer Gesellschaft, die die Umsetzung der Rechte für die Hälfte der Bevölkerung nicht allzu wichtig, allzu ernst nimmt. Das ist ein Problem.

Kommentare sind erlaubt, ich bitte allerdings um Etikette und Höflichkeit.

 

„It’s not equality, if you have to sue for your rights“

… is the title of this post.

Feminism and equality are problems, that I often think about. And although I am well aware not to start crazy discussions on the internet, I did so this week by commenting on a video on YouTube. The YouTuber was talking about Germany and that the German women „weren’t interested in equality.“ This is just wrong in my opinion. Other comments were talking about German women  being equal already, so equality is not important to them. This is just not true, so I commented on that. I got some rude comments back with basically two arguments:

  1. You can sue to get your rights, as for the same payment as your male colleagues get. That was directly directed to the pay gap problem. Men are often better paid for doing the same jobs. That is right, that you can sue, and if that is what you believe equality is, then there is no discrimination, you just have to sue a lot. But I think, that there is no equality, if you have to sue first. Men do not have to sue to get the payment they deserve, so why should women do that? If you have to sue, you are being discriminated against. Also the employer is counting on the fact, that not everyone has the time and energy or just knowledge to sue for a fair payment. Many of those who sue their employer don’t keep their jobs for long, so there are many problems occuring just from this argument.
  2. I wrote in my comment – the video and comment were just about the situation in Germany – that, there’s still work to be done in the field of equality in Germany, because there are still problems like the pay gap, more men in high paying positions and mansplaining. The answer I got was very rude  and I’m not the kind of person to answer in the same way, because I believe, that it would make the world worse if everyone was behaving that way. But the answer I got was, that there are more severe problems then the ones I mentioned, as genital mutilation etc. Yes, that is true, but genital mutilation is illegal in Germany and girls, that are endangered to get mutilated on a trip to one of the countries, where this is a main issue, are often not allowed to leave the country with their families. So this is not a „only German“ problem. I agree, that these are problems, that need to be solved worldwide. But to say, that the „lesser problems“ are none, is like saying „you got the right to vote, now shut up“. It’s throwing a bone in the hope, that women forget about the problems, they encounter in daily life and that is wrong. Equality does not mean being equal to the level to not me mutilated ot hit, it means being equal. And therefore every problem is important and needs to be adressed and solved. The issues differ from country to country, but to say, that there are none because they seem to be less urgent, is just wrong.

Even „small“ problems need to be solved. Everyone, who has to sue to get the same rights as the other half of the population is being discriminated against. It’s just a sign, that this half of the population is less important, less worth. This is a problem.

All comments are allowed, but please stay polite.

Quo vadis Deutschland?

April 25, 2018 § Hinterlasse einen Kommentar

Wohin gehst du, Deutschland? Das frage ich mich in den letzten Jahren nicht nur häufiger, sondern auch lauter und lauter.

Die neuesten Entwickelungen alarmieren mich, es ist nicht nur „rechts“ plötzlich hoffähig geworden und man sieht bei antisemitischen Äußerungen weg, nun behandelt Bayern psychisch Kranke wie Verbrecher. Das ist wohl noch untertrieben, es werden quasi die grundlegenden Menschenrechte aberkannt. Mit dem Argument der Sicherheit werden die Rechte von Bürgern ausgehebelt. Dies darf nicht passieren. Die Gefahr geht dabei definitiv nicht von den psychisch Kranken aus – zumindest nicht mehr als zuvor. Es geht nur darum, bei den Schwächsten der Gesellschaft anzusetzen und zu sehen, wie der Rest reagiert, bevor man auch deren Rechte beschneidet. Diese Mechanismen sind nicht neu. Sie sind parasitär und zielen nur auf die Zersetzung der Demokratie, die ich, um ehrlich zu sein, sehr schätze.

Ein Land, in dem die Geschichte des dritten Reiches noch so nah ist, sollte besser wissen als mit Rechts zu kokettieren. Was wäre sonst der nächste Schritt? Die Gaskammern? Ich glaube nicht, dass sich das irgendjemand wünschen würde…

Wacht auf Leute, jeder ist verantwortlich für das, was passiert.

Wir sind verantwortlich mit der Art und Weise, wie wir mir Mitmenschen umgehen – und zwar mit allen. Wir sind verantwortlich, wenn wir wählen. Wir sind verantwortlich, wenn wir etwas zulassen und dulden. Wir sind veranwortlich, wenn wir unsere Kinder erziehen.

Lesevorschlag:

http://www.sueddeutsche.de/politik/prantls-blick-ein-gesetz-das-angst-und-schrecken-bringt-1.3955373

Adorno: Erziehung nach Auschwitz.

https://www.zeit.de/1993/01/erziehung-nach-auschwitz

Chimamanda Ngozi Adichie: We Should All Be Feminists

Januar 9, 2018 § Hinterlasse einen Kommentar

„We should all be Feminists“ ist ein ganz wunderbarer Essay der nigerianisch-amerikanischen Schriftstellerin und Feministin Chimamanda Ngozi Adichie. An nur einem Abend habe ich ihn quasi verschlungen und freue mich schon auf ein anderes Buch von ihr, das hier bereitliegt.

Ich kann sie verstehen und habe, obwohl sie überwiegend von der nigerianischen Gesellschaft berichtet, in Deutschland ähnliche Erfahrungen gemacht. Von einigen davon habe ich auf diesem Blog bereits berichtet. Wenn man nicht als Mensch wahrgenommen wird, weil man eine Frau ist, ist es eine schmerzhafte Erfahrung und das ist ein Problem nicht nur fremder Gesellschaftern, sondern auch unserer. Man kann natürlich behaupten, es seien „Einzelfälle“ und der Mann habe es „nicht so gemeint“. Dann würde man aber das Problem kleinreden wollen. Wenn ich als Doktorandin an einer Universität als Frau IMMER die Organisation von Veranstaltungen übernehmen soll und meine männlichen Kollegen mit den Gästen kommunizieren, damit das Gesicht gewahrt bleibt. Dann ist das doch bereits eine Schieflage des Geschlechterverhältnisses. Noch mehr, wenn weibliche Referentinnen nicht eingeladen werden, obwohl sie neueste Forschung zum Thema liefern würden, mit dem Argument, es gehe hierbei nicht um Genderfragen, sondern um Inhalte.

Gerade solche Erfahrungen lehren mich, daß es eben nicht um Inhalte geht, sondern das Geschlecht und eines unangefochten benachteiligt wird.

Die Lektüre obigen Essays kann ich herzlich empfehlen. Wir brauchen alle einen Einblick in die Thematik und eine Änderung des derzeitigen Geschlechterbildes. Dies gilt für Männer und Frauen und alles dazwischen und drumherum.

Mit herzlichen Grüßen.

Überwachung öffentlicher Räume

Dezember 1, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

„Die Kontrolle vollzieht sich durch Beteiligung, in gemeinschaftlicher Mitarbeit und sogar warenförmig. Gerade damit könnte die Demokratisierung helfen, das Problem der Kontrolle zu lösen, das ein Entscheidungsträger von Scotland Yard im Jahre 2008 als das »wahre Fiasko« der Videoüberwachungskameras bezeichnet hatte. Diese Kameras sind tatsächlich unwirtschaftlich und verhältnismäßig ineffektiv. Ihr Einbau und ihre Wartung verlangen nicht nur hohe Investitionen, sondern man muss auch, sobald diese Kameras eingerichtet sind, Leute bezahlen, um die Bilder zu prüfen, was die Kosten beträchtlich erhöht. Diese Technologie dient somit vor allem dem Versuch, bereits begangene Vergehen oder Verbrechen aufzuklären, doch die Qualität der angesehenen Bilder ist oft unzulänglich.“

Fréderic Gros: Die Politisierung der Sicherheit. Vom inneren Frieden zur äußeren Bedrohung, Berlin 2015, S. 219.

Trump veröffentlicht die JFK Akten? – Warum das gar nicht spektakulär ist.

Oktober 27, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

In der letzten Woche sah ich immer wieder die Meldung, daß Präsident Trump sich mit dem „Veröffentlichen“ der JFK Akten brüstet und dies für Verwirrung sorgt.

Dazu sollte man wissen, daß alle Akten einer Schutzfrist unterliegen. Wenn sie Informationen für einen Staat beinhalten oder Informationen über Personen oder gar noch lebende Personen, so kann sich diese Frist unterscheiden. Über den Daumen gepeilt, sind es in Deutschland z.B. etwa 30 Jahre. In den USA unterscheidet sich diese Frist. Nunja, wenn diese Frist abgelaufen wird, werden die Akten nicht „veröffentlich“ als solches, sondern stehen in den Archiven zur Einsicht und Bearbeitung bereit. Meist ist es ein Fachpublikum, das Interesse daran hat, etwa Historiker und Journalisten, um die Geschehnisse aufzuarbeiten. Diese veröffentlichen dann Arbeiten mithilfe der Akten, publizieren Auszüge oder bereiten Quellensammlungen auf. Bei besonders sensiblen Datenbeständen kann diese Frist auch verlängert werden. Soweit ich weiß, stehen im Endeffekt alle Akten irgendwann dem Fachpublikum zur Verfügung. Von „Veröffentlichen“ kann man von Trumps Seite also gar nicht sprechen und auch nicht wirklich davon, daß es seine Entscheidung ist.

Demnächst kann man sich also um mehr Artikel und wissenschaftliche Arbeiten zu dem Thema freuen. Erfahrungsgemäß gibt es dann ganz fix eine Flut, weil jeder der „Erste“ sein will.

Enttäuschende Bundestagswahl

September 24, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

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Nicht nur die Ergebnisse sind enttäuschend, bzw. bisher die ersten Hochrechnungen, sondern auch das Vorgehen selbst. Seit Jahrzehnten liegen bei uns in den Wahlkabinen nur Bleistifte aus. Daß diese nicht dokumentenecht sind, muß nicht noch erklärt werden. Auch wenn man das bei den Verantwortlichen anspricht, ändert sich nichts. Einen Kulli muß man immer selbst mitbringen, wenn man will, daß die Stimme die bleibt, die sie ist. Da braucht es gar keine unverschlüsselten Datenübermittlungen, die die Wahl manipulieren können. Es beginnt in der Kabine selbst.

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