Enttäuschende Bundestagswahl

September 24, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

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Nicht nur die Ergebnisse sind enttäuschend, bzw. bisher die ersten Hochrechnungen, sondern auch das Vorgehen selbst. Seit Jahrzehnten liegen bei uns in den Wahlkabinen nur Bleistifte aus. Daß diese nicht dokumentenecht sind, muß nicht noch erklärt werden. Auch wenn man das bei den Verantwortlichen anspricht, ändert sich nichts. Einen Kulli muß man immer selbst mitbringen, wenn man will, daß die Stimme die bleibt, die sie ist. Da braucht es gar keine unverschlüsselten Datenübermittlungen, die die Wahl manipulieren können. Es beginnt in der Kabine selbst.

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Rebecca Solnit: Men Explain Things to Me

September 13, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

In dem Büchlein von nur 159 Seiten werden einige Aufsätze zum Thema Feminismus, Misogynie und Frauenrechte zusammengefaßt. Der Titel des Buches ist gleichzeitig der Titel des ersten Aufsatzes. Dabei beginnt Solnit mit einer Anekdote, die wohl jeder Frau bekannt vorkommen wird, dem Phänomen des „mansplaining“. Ein Mann versucht ihr auf einer Party ihr Buch zu erklären, ohne wahrzunehmen, daß die Autorin gerade vor ihm steht. Oh, davon kann ich ein Lied singen. Weiterhin erklärt Solnit auf leicht lesbare Weise, warum das Thema Feminismus und Frauenrechte noch immer einen hohen Wert in unserer Gesellschaft haben sollten und daß eine Benachteiligung von Frauen innerhalb der Gesellschaft, sei es bei der Rollenverteilung oder Bezahlung schwerwiegende Konsequenzen im sozialen Bereich haben kann. Ich fand das Buch sehr erfrischend und angenehm zu lesen, obwohl es solch ein wichtiges Thema für unsere Gesellschaft behandelt.

Man muß betonen, daß sich das Buch keinesfalls gegen Männer richtet, was Feministinnen immer unterstellt wird.

Mich berührte das Buch vor allem, nachdem ich vor einigen Wochen in einem Blog las, wie sich ein Mann über Feministinnen aufregte und Frauen generell, weil sie keine sexuellen Beziehungen mit ihm eingehen wollten, obwohl er so ein „guter“ Kerl sei. Dabei hinterfragte derjenige nicht, daß Frauen ihm keinen Sex oder Beziehungen schuldig seien. Dies ist ein Phänomen, das mir von weiblicher Seite unbekannt ist. Ich kenne keine Frau, die den Körper fremder Männer beansprucht. Der andere Fall war der, den ich heute in der Zeitung las von der toten Studentin in Freiburg, die vergewaltigt wurde und dann ohnmächtig im Wasser liegengelassen wurde und ertrank. Der Fall ist in vielfacher Weise tragisch und wird in einigen Gesellschaftsgruppen sicher Haß auf Flüchtlinge wecken. Ich glaube jedoch, daß das Problem nicht zwingend nur in der Herkunft des jungen Mannes liegt.

Gelesen habe ich es im englischen Original, es gibt jedoch auch eine deutsche Version.

 

Rebecca Solnit: Men Explain Things to Me, Chicago 2014.

Überschallflugzeug über dem Main Kinzig Kreis

Juli 14, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

Vor gerade 15 Minuten, um 18:55 am 14.07.2017, knallte es am Himmel. Einmal. Zweimal. Wieder flog ein (?) Überschallflugzeug über die Wohngebiete des Main Kinzig Kreises und die Häuser wackelten. Die ratlosen Bewohner sammelten sich auf den Straßen und guckten verwirrt in den Himmel. Ist nun Krieg? So fühlt es sich zweifelsohne an hier. Es kann einfach nicht sein, daß man Überschallflugzeuge über Wohngebiete fliegen läßt. Schon wieder. Man hat als Bewohner dieses Landes wohl nicht mehr viel zu erwarten, wenn es so weiter geht.

Ich bin entrüstet, enttäuscht und leider vor Ort.

Der kleine Sexismus im Alltag

November 15, 2016 § Ein Kommentar

Wie die meisten bereits mitbekommen haben, bin ich beruflich im universitären Umfeld tätig. So kam es also, daß wir einen Workshop mit internationalen Gästen organisierten, wobei die Arbeit zu etwa 90% an der einzigen Frau im Team hängen blieb – mir. Der andere Herr in meiner Position war leider nicht einmal in der Lage, Getränke zu kaufen – er hätte den Laden doch nie gefunden!

Nunja, als es um das Einladen der Gäste ging, machten wir Vorschläge. In meinem Falle Männer und Frauen gleicher Anzahl. In der Tat hätte außer mir noch genau eine Frau vorgetragen – von insgesamt 12 Gästen. Das ist ein wirklich schwacher Schnitt. Wenn es darum ging, das Problem an der nächsthöheren Ebene anzusprechen, wurde mir – und das ist ein wörtliches Zitat! – gesagt, daß nicht mehr Frauen eingeladen wurden, „weil es nicht um Genderthemen geht, sondern um Inhalte“. Damit impliziert man doch, daß Frauen schlechtere liefern! Denn daß es genügend Frauen gibt, die zu diesem Thema arbeitet, weiß ich nur zu genau.

Historiker im Alltag

Mai 10, 2015 § Hinterlasse einen Kommentar

Wie immer nimmt der Beruf Einfluß auf den Alltag. Man sieht bestimmte Geschehnisse anders als andere Menschen und gerät ab und an in Erklärungsnot. Gefühlt nehmen meine Kollegen das politische Geschehen mit großem Interesse und Distanz wahr.

Als Mediävist und Frühneuzeithistoriker ist man zudem oft sehr froh, daß die Personen, mit denen man Arbeitet, nicht mehr am Leben sind. Zeitzeugen – die wir alle sind – sind oftmals schwierige Gesprächspartner. Alle wissen es immer besser, ohne je ein Dokument in der Hand gehalten zu haben. Diejenigen, die das dann doch taten, sprechen nicht darüber, was die Arbeit nicht einfacher gestaltet.

Das Bewußtsein über dieses unlösbare Problem ist so tief verankert, daß es einen Kollegen während einer kleinen Konferenz dazu bewogen hatte, seinen Kommentar zu einem politischen Thema mit folgenden Worten zu beginnen:

„Als Zeitzeuge und Betroffener habe ich keine Ahnung, gebe dennoch meinen Senf dazu…“

Kluge Worte, Herr R.!

Aufgeschnappt

April 22, 2015 § Hinterlasse einen Kommentar

Mit einem Kaffee machte ich mich heute auf den Weg ins universitäre Büro. Vor dem Gebäude stand eine Gruppe junger Studenten, von denen sich einer laut aufregte. Als ich näher kam hörte ich dann: “ … DA hat man schon mal VERNICHTUNGSGEDANKEN!!!“ In diesem Augenblick bemerkte der Student wohl auch mich und fügte entschuldigend an: „es geht ja nur um einen Menschen!“ In diesem Fall geht das natürlich klar [Ironie], es gibt ja historische Vorbilder…

Brille? Fielmann

November 29, 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Erst gestern besuchte mich eine Bekannte, die von den Tücken der Beschäftigung beim Optiker berichtete. Die Kunden sind wohl teilweise eigen und abenteuerlich. Etwa, wenn ein junger Mann reinkommt und herabwürdigend Brillenn vorgeführt haben will, die „perfekt für ihn“ sind. Nur die teuersten Gestelle dürfen das sein, mit Marke! Die Gläser, die er dazu wählt, sind die, die es kostenlos gibt.

Oder die türkische Familie¹, die einfällt, weil der eine Junge eine Brille braucht und das nur fünf Minuten vor Ladenschluß.

Die junge Frau, die ihren Schmuck zum Reinigen vorbeibringt, weil dort das Ultraschallreinigungsgerät ja schon steht und der Optiker den Reinigungsservice ja anbietet.

Die Dame, die anfragt, ob man ihren Regenschirm reparieren könne.

Der Herr, der eine kaputte Brille vorbeibringt und dann GENAU DIESE gleich darauf repariert wieder mitnehmen möchte.

„Ich habe mich auf meine Brille gesetzt, nun ist diese kaputt. Ersetzen sie die?“

Die vollverschleierte junge Dame, die mit Vater kommt und eine Brille braucht, die „zu ihr paßt“.

Der junge Mann, der hereinkommt, seine alte Brille hinhängt, sich ein Gestell von der Wand aufzieht und dann wieder geht. Als er aufgehalten wurde, kommentierte er das wohl mit: „Bei anderen gibt es doch auch die Möglichkeit, sein Gerät dazulassen, wenn man sich ein anderes holt.“ (Interessante Taktik, ich würde das gerne beim Autohaus probieren. Hinfahren, Auto stehen lassen, ein beliebiges anderes mitnehmen…)

Der Kunde, der als erster bedient werden will, weil es bei ihm „sowieso schneller“ geht als bei den 10 Kunden, die vor ihm kamen.

Ach, ich kann das ganz gut nachvollziehen und bin froh, daß es bei mir und den Brillen bisher immer ganz angenehm schnell lief.

¹ Ich bin nicht gerade Fan von Vorurteilen, gebe hier jedoch den Bericht der Bekannten wieder.

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