Wie Jahrhunderte funktionieren… oder „Wann war eigentlich…?“

Juni 29, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

Diese Frage spukte mir schon seit einiger Zeit im Sinn, eigentlich keine Frage meinerseits, denn ich kenne die Antwort ja. Es war eine Frage, die während des Studiums an unsere Professoren gestellt wurde und kürzlich auch mir. Im Alltag hatte man meiner Antwort jedoch nicht geglaubt, so fest saß der Irrglaube.

Es ging um die Jahrhundertbezeichnungen und Datierungen. Es ist immer blöd, wenn jemand behauptet: „Es ist mein Job, ich muß das ja wissen!“ In diesem Fall argumentierte ich ebenso. Als Historiker müßte ich wissen, wie Jahrhunderte funktionieren. Tue ich auch. Es ist ganz einfach:

Wenn man von Jahrzehnten spricht, so benennt man das Jahrzehnt nach dem, was es ist: Alles, was zwischen 1960 und 1969 gewesen ist, sind die 60er Jahre, zwischen 1940 und 1949 die 40er und so weiter. Bei Jahrhunderten läuft es etwas anders. Das 19. Jahrhundert etwa begann nicht 1900, da endete es. 1800 bis 1899 ist der Zeitraum, der als 19. Jahrhundert bezeichnet wird, ab 1900 beginnt bereits das 20. Jahrhundert. Wir leben im 21. Jahrhundert.

Es scheint nur ein kleiner Irrtum zu sein, dem meine Diskussionspartner da erlegen waren. Ohne diese kleine Unterscheidung sprachen sie aber immer von der falschen Zeit. Und stelle man sich mal eine Prüfungssituation vor! Da liegt man ganz schnell mal 100 Jahre daneben. Das muß doch nicht sein. 😉

Sollbruchstelle

Juni 27, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

Manchmal ist ein Wort genug, um so viel auszudrücken. Da gibt es EinWortGedichte, die so viel ausdrücken, weil man selbst so viel hineininterpretiert. Da gibt es aber auch ganze Abhandlungen über Wörter, Gefühle, Gegenstände und Ereignisse. Eines der Wörter, die mich seit Jahren schon faszinieren und die für mich nach einem Gedicht klingen, ist:

Sollbruchstelle

 

Es ist nicht nur der technische Begriff, die Stelle eines Bauteils, die im Notfall zu brechen hat. Für mich haben auch wir und bauen wir in unserem Leben und Beziehungen Sollbruchstellen. Ein Glück nur, daß wir sie nicht immer brauchen.

Freiheit

Juni 12, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

Vorgestern hatte ich eine hitzige Diskussion mit meinem Vater, der ein großer Fan von Trump und Putin ist. Er wetterte über alle anderen Staatsoberhäupter, wie lächerlich und furchtbar sie wären. Ein Beispiel war Frau Merkel, die bei einem Treffen mit Putin wohl geäußert hätte, daß sie sich „Sorgen um die Homosexuellen“ machte. Wenn sie in Rußland sind, finde ich diese Sorge durchaus nachvollziehbar. Leider ist die russische Gesellschaft sehr ablehnend gegenüber Homosexuellen.

In dieser Diskussion kam ich nicht dazu zu fragen, warum man die Freiheit haben sollte, jeden zu hassen, aber nicht jeden zu lieben.

Und auch da ist Frau Merkel kein glänzendes Beispiel. Die Ehe für alle findet sie leider schlecht. Warum diskriminieren? Ehe ist Ehe. Liebe ist Liebe. Mensch ist Mensch. Jeder sollte lieben und heiraten dürfen.

Wann Gewohnheit gefährlich wird

Juni 1, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

In vielen Situationen können Gewohnheiten nützlich sein. Die Gewohnheit nach der Schule die Hausaufgaben direkt zu machen, die ich dank meiner Mutter hatte. (Oh, war das eine harte Arbeit, mir das beizubringen.) Oder die Gewohnheit direkt nach dem Kochen aufzuräumen, so sammelt sich nicht so viel an. Andere Gewohnheiten sind weniger praktisch im Alltag und können sogar zu Problemen führen. Die Gewohnheit etwas nicht zu tun, ist nämlich auch nicht nur Müßiggang, sondern eben eine Gewohnheit, Tätigkeiten sein zu lassen. Die fehlende Gewohnheit täglich zu saugen, wenn man einen Hund hat – bald hat man die Wohnung voller Haare. (Die Gewohnheit zu saugen, mußte ich mir aneignen, weil ich nicht in der haarigsten Wohnung der Welt leben wollte und man hat dieser Kurzhaarhund viele Haare, die ihm ausfallen.)

Viele Gewohnheiten, die im Alltag ausgelebt werden, können aber nicht nur lästig, sondern auch gefährlich werden. Etwa die Gewohnheit schroff zu seinen Kindern zu sein, weil man dann eventuell nicht mehr merkt, wenn Grenzen überschritten werden – und ja, man kann mit Worten verletzen. Oder die Gewohnheit, die manche Kinder annehmen, andere Kinder (leider oft immer dieselben) zu ärgern/beleidigen/mobben. Es ist oft dann keine rationale Entscheidung mehr, wenn es denn jemals eine war, gegen das Kind X vorzugehen, sondern eine Gewohnheit, die dem Kind X die Schule unerträglich machen kann. Ich selbst traf jedoch auch schon auf Kinder, die fremde Erwachsene (in diesem Fall mich) beleidigten und über die Straße beschimpften, während ihre Mutter sie schweigend an der Hand hielt und hinter sich her zog. Man ist dieses schräge und schädliche Verhalten derart gewöhnt, daß man blind für die Auswirkungen sind. Dabei geht es nicht nur um den fremden Menschen, der da lauthals vom eigenen Kind angepöbelt wird, sondern auch das, wohin diese Ignoranz des schädlichen Verhaltens führen kann. Was wird aus diesem Kind denn werden, wenn es dieses Verhalten nicht irgendwann ablegt?

Gewohnheiten bringen uns auf höherer Ebene aber auch dazu, aus Gewohnheit solch negativer Verhaltensweisen von anderen, zu viel zu tolerieren. Man toleriert Fehlverhalten anderer bereitwilliger, weil man es gewohnt ist. Wenn Trump andere Staatsoberhäupter aus dem Weg schubst, um selbst ganz stolz ganz vorne zu stehen, so ist das einfach nur befremdlich. Aber man toleriert es, weil man nicht anecken will, weil man selbst sich nicht auf „dieselbe“ Stufe stellen will. Es kann gefährlich sein, sich an bestimmte Sachen zu gewöhnen, an Umstände und nicht mal einen Schlußstrich zu ziehen und seine Meinung zu sagen.

Es ist nicht ok, wenn Kinder Erwachsene anpöbeln, die sie nicht kennen. Es ist nicht ok, fremde Menschen herumzuschubsen und es nicht ok, einander zu mobben. Man sollte sich nicht an schlechte Sachen gewöhnen müssen. Handeln sollte rational bleiben und eine Entscheidung, die man trifft. Und wann würde man sich aus Vernunft je dazu entscheiden, Menschen aus dem nichts heraus zu beleidigen? Das wäre ja verrückt.

So viel zu meinen Gedanken heute. Ich würde mich sehr freuen, Eure Meinungen dazu zu hören.

Liebe Grüße,

Miss

 

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