Wissenschaftsskeptizismus im Alltag – nur schwer zu ertragen

April 24, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

Wissenschaftsskeptizismus ist derzeit offenbar „in“, daher auch die Demos von Wissenschaftlern, die sich bemühen dieses Problem der Öffentlichkeit vor Augen zu führen. Ob das ankommt, frage ich mich.

Auch in Diskussionen mit anderen Akademikern fällt mir auf, daß man als Wissenschaftler nicht ganz ernst genommen wird, wenn man seine fachliche Meinung kundtut – nicht einmal, wenn man danach gefragt wurde. Gerade als Historiker hat man es unter Umständen schwer. Jeder, der mal eine Doku oder einen Wikipedia Artikel gelesen hat, meint genausoviel, wenn nicht sogar mehr, Ahnung zu haben, wie der Fachkundige vor ihnen. Erst am Wochenende hatte ich eine Diskussion darüber, daß „experimentelle Archäologie“ mehr Erkenntnisse bringe, als etwa historische Forschung. Dabei wurde auch der Begriff „experimentelle Archäologie“ falsch gebraucht, gemeint war Archäologie. Es ist nicht das erste mal, daß ich diese Diskussionen führen muss. Gerne höre ich auch, daß man ja nichts glauben könne, was geschrieben steht. Es hätte ja jeder schreiben können! Auf die Idee nachzuschauen, wer da was schreibt, kommt man offenbar nicht und dann das Fernsehen als die glaubwürdigere Wissensquelle anzusehen, halte ich ebenfalls für fragwürdig. Nicht selten höre ich, daß sich Professoren, die als „fachlicher Berater“ hinzugezogen werden, sich von den Dokumentationen distanzieren müssen, bei denen sie „beratend“ tätig waren, weil man ihren Rat ignorierte.

Diesen Skeptizismus gegenüber der Wissenschaft und Forschung halte ich grundsätzlich, auch wenn es in manchen Situationen einfach absurd und komisch sein mag, für gefährlich. Wenn man aufhört nachprüfbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen zu glauben – was bleibt da noch? Fundamentalistische Meinungen und Verschwörungstheorien, die die Welt auf keinen Fall besser machen werden. Außerdem verstehen Menschen Dokus und Ausstellungen offenbar nicht mehr – zumindest nicht die, die mit mir zu diskutieren meinen.

Ich wünsche einen netten Tag und Menschen, die euer Wissen ernstnehmen – besonders, wenn sie es nicht besser wissen.

Liebe Grüße,

MA.

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