Historiker im Alltag

Mai 10, 2015 § Hinterlasse einen Kommentar

Wie immer nimmt der Beruf Einfluß auf den Alltag. Man sieht bestimmte Geschehnisse anders als andere Menschen und gerät ab und an in Erklärungsnot. Gefühlt nehmen meine Kollegen das politische Geschehen mit großem Interesse und Distanz wahr.

Als Mediävist und Frühneuzeithistoriker ist man zudem oft sehr froh, daß die Personen, mit denen man Arbeitet, nicht mehr am Leben sind. Zeitzeugen – die wir alle sind – sind oftmals schwierige Gesprächspartner. Alle wissen es immer besser, ohne je ein Dokument in der Hand gehalten zu haben. Diejenigen, die das dann doch taten, sprechen nicht darüber, was die Arbeit nicht einfacher gestaltet.

Das Bewußtsein über dieses unlösbare Problem ist so tief verankert, daß es einen Kollegen während einer kleinen Konferenz dazu bewogen hatte, seinen Kommentar zu einem politischen Thema mit folgenden Worten zu beginnen:

„Als Zeitzeuge und Betroffener habe ich keine Ahnung, gebe dennoch meinen Senf dazu…“

Kluge Worte, Herr R.!

Wo bin ich?

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