Bewerbungsgespräch? Was ziehe ich an?

Februar 22, 2015 § Hinterlasse einen Kommentar

Nach dem erfolgreichen Bewerben wird man gerne mal zu einem persönlichen Gespräch eingeladen. Nun schreiben viele Berufe vor, was man am Besten zu tragen habe. Als Geisteswissenschaftler habe ich es mir angewöhnt, ich zu sein und meine Kleidung immer nur an mich anpassen zu müssen. Vielen in meinem Umfeld geht es ebenso. Da ist man halt ein wenig öko, ein wenig seltsam und manchmal läuft man eben im kleinen roten Kleidchen mit weißen Punkten durch die Universitätsgebäude. Frau Y. befand sich vor einiger Zeit in eben dieser Situation und wurde zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen. Das Problem, die richtige Kleidung für dieses Ereignis auszuwählen, erwies sich jedoch keinesfalls als einfach und benötigte Beratung. Die Stelle war eine recht seriöse Verwaltungsstelle mit Öffentlichkeitsarbeit. Der erste Instinkt leitete Frau Y. dazu ihren „dicken Wollpulli, der etwas schicker aussieht“ anzuziehen. Man könne im Gespräch schließlich anfragen, was die gerne hätten und sich dann nach oben und unten anpassen, meinte sie. Nunja, es schien mir doch eher eine schlechte Taktik zu sein. Ein Bewerbungsgespräch ist ja erstmal dazu da, den Bewerber kennenzulernen und wenn dieser solch banale Fragen nicht selbständig klären kann, ist er für eine Stelle, in der selbständiges Arbeiten vorausgesetzt wird, eventuell nicht unbedingt geeignet. Daß dieser Eindruck entstehen kann, wird wohl leider zu schnell vergessen, da man sich an der Universität in einem „geschützten Raum“ befindet und sich so geben kann, wie man möchte. Generell ist man besser beraten, sich bei einem Vorstellungsgespräch konservativ zu geben. Als Frau trägt man Bluse, Jackett, Stoffhose oder Rock, also Kostüm oder Hosenanzug – da darf man ruhig nach seinem Geschmack gehen.

Nach diesem ersten Eindruck kann man sich immernoch dem Betrieb und den Gelegenheiten anpassen. Das souveräne Auftreten beim Kennenlernen kann dann einem jedoch keiner mehr nehmen.

Viel Erfolg.

Miss A.

„Ich bin halt keine Feministin“…

Februar 14, 2015 § Hinterlasse einen Kommentar

… sagte letztens Frau Y. als es darum ging, sich in Politikwissenschaft bei einer Frau prüfen zu lassen, die eben dafür bekannt war. Ein wenig irritierte mich diese Aussage und führte dazu, daß ich in harschem Ton antwortete, daß es heutzutage niemanden geben darf, der behauptet kein_e Feminist_in zu sein. Vor allem von einer Frau möchte man das in keinem Fall hören – und das im universitären Umfeld!

Es gibt mehr als genug Menschen, die Frauen nicht gleichschätzen und vor allem gleichbehandeln. Mir ist das in den letzten Monaten besonders aufgefallen. Gestern erst bei einer Möbellieferung ins Büro wurde stillschweigend und selbstverständlich der Lieferschein zur Kontrolle an den Kollegen gereicht, der zu dem Zeitpunkt etwas weiter weg stand. In einem Baumarkt, wo ich mit Mann unterwegs war, fragte ich einen Mitarbeiter, wo etwas, das ich brauchte, stand. Er wandte sich sofort dem einen Schritt hinter mir stehenden Mann zu und beantwortete ihm die von mir gestellte Frage und deutete zum Schluß in die falsche Richtung. Abgesehen von diesen persönlichen Erfahrungen, in denen Mitglieder der Gesellschaft sich nicht nur unhöflich, sondern bereits diskriminierend verhalten, höre ich immer wieder Beschwerden anderer Frauen, daß sie bei gleicher Arbeit einen geringeren Lohn erhalten.

Da muß man sich doch fragen, in was für einer Welt man lebt, in der nicht alle (!) Mitglieder der Gesellschaft gleiche Anerkennung erhalten. Wie werden diese Männer erzogen, sodaß sie Frauen derart gering schätzen, daß sie ihnen nicht einmal antworten können oder nicht zutrauen eine Lieferung zu kontrollieren? Wenn diese Welt etwas braucht, dann ist es mehr Feminismus und keine Frauen, die damit kokettieren keine zu sein.

Mut zur Veränderung

Februar 13, 2015 § Hinterlasse einen Kommentar

Bevor ich diesen Post betitelte, überlegte ich lange. Mut zum Leben, Mut zum Glück, Mut zur Veränderung. Anstoß sind die Berichte, die mir von einigen Bekannten erzählt werden und die mich immer in Staunen und eine gewisse Ratlosigkeit versetzen. Man möchte diesen Menschen etwas raten, man möchte ihnen helfen. Das Problem besteht jedoch darin, daß sie diese Hilfe nicht wahrnehmen und Gelegenheiten zur Veränderung, zum Glück und zum „Leben“ verstreichen lassen.

Besonders zwei Menschen kommen mir in den Sinn, ein Herr und eine Dame in verzwickter Situation, die von außen vielleicht gar nicht so furchtbar scheint. Wenn man genauer hinsieht und ihnen ein wenig zuhört, bekommt man schnell den Eindruck, daß einfach alles im Argen liegt. Herr X. berichtet seit Jahren von einer unglücklichen Beziehung, die ich selbst unmöglich führen wollen würde, sowie einem Job, der keinesfalls zufriedenstellend ist. Er leidet und jammert und meckert und erzählt. Das Problem, das ich in der Situation sehe, ist die Unfähigkeit und Unentschlossenheit, etwas zu ändern. Selbst wenn der Entschluß einmal gefaßt ist, so fehlt es an der Umsetzung.

Frau Y. hat ähnliche Probleme. Eine eher für Fremde irritierende Ehe, zwei Kinder, mit denen sie nicht zurechtkommt, ein Studium, das nicht beendet werden kann. Probleme werden aufgeschoben, man kümmert sich um Problemfälle höchstens, wenn es schon fast unumgänglich ist und rechnet dann fest mit der Kulanz und Rücksicht anderer. Außerdem sind Kinder in diesem Fall wohl sowas wie eine Behinderung, mithilfe derer man Sonderrechte erwirken kann. Im Studium stehen nur noch wenige Arbeiten an, doch statt sich um diese zu kümmern, setzt die Dame sich in die Bibliothek und spielt. Offenbar ist Verdrängung etwas, das in diesem Fall gut funktioniert. Auch hier fehlt es an grundsätzlicher Organisation, an Entscheidungen und am Mut diese Umzusetzen. Man läßt das Leben so dahinfließen und gibt die Kontrolle gänzlich ab. So ist es natürlich auch einfach, als am Ende, wenn alles verloren ist, Opfer dazustehen. Als Opfer des Systems als Opfer verschiedenster Pflichten gegenüber allem, was einem so in den Sinn kommt.

Ich frage mich in beiden Fällen immer wieder und wiederholt, warum eine Veränderung als so negativ wahrgenommen wird, daß man diese in keinem Fall zulassen möchte. Beziehungen brauchen Arbeit, vor allem wenn Kinder dazukommen. Wenn der Studiengang ausläuft und man zum Abschluß gedrängt wird, kann man sich nicht hoffnungsvoll darauf verlassen, daß andere das schon noch regeln. Es kann durchaus angebracht sein, die letzten Scheine zu machen und die Prüfungen abzulegen. (Und hierzu wäre durchaus genug Zeit und Gelegenheit gewesen.) Es sind alles keine ausweglosen Situationen. Es braucht eben nur manchmal ein wenig Mut in unserem Leben… zur Veränderung, zum Leben und zum Glück.

Lauresham –

Februar 11, 2015 § Hinterlasse einen Kommentar

Hallo liebe Leser,

für Interessierte und Reenactmentbegeisterte gibt es nun das Projekt Lauresham. Lauresham ist die Quellenbezeichnung für das Kloster Lorsch. Das Kloster besteht bereits seit dem 8. Jahrhundert und kleine Reste davon sind auf dem Klosterhügel zu erkennen. Außerdem wird derzeit an neuen Möglichkeiten und Zugängen gearbeitet. So sollen noch in diesem Jahr neue Museen eröffnen. Unter anderem das „Freilichtlabor Lauresham“. Mithilfe von Experimentellarchäologen wurde dort für eine stattliche Summe Geld ein „karolingisches Dorf“ aufgebaut. Als Historiker hatten wir letzte Woche Gelegenheit uns dieses anzusehen. Diese Arbeit ist für Historiker, die doch eine Vorliebe für das geschriebene Wort haben, eher befremdlich und so durften wir unserer Neugierde Ausdruck verleihen. Ich etwa, habe mit Vorliebe alles Anfaßbare angefaßt.

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Das schöne Wetter bei unserem Ausflug ist etwas trügerisch gewesen, es war furchtbar kalt und wir froren sehr. Die Hütten waren unbewohnt und daher auch unbeheizt. Offenbar durften jedoch zuvor schon Reenactmentgruppen das Dorf probewohnen.

Schön war es auch, die Tiere zu sehen. Die Hühner liefen frei herum, die anderen (auch die Hunde) waren in Gehege gesperrt. Wenn das Dorf jedoch stärker frequentiert werden sollte, wird es auch für die Hühner etwas stressiger, kann ich mir vorstellen.

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In einigen Gebäuden wurde Handwerk dargestellt. So gibt es etwa einen Webstuhl, an den zukünftig auch mal die Gäste weben üben sollen. Die Produktion der verwendeten Materialien soll auch auf dem Gebiet des Dorfes ausprobiert werden. So berichtete man uns von einem Vorhaben Flachs anzubauen. Rebstöcke stehen bereits bereit und auch sonst findet man Gemüse- und Kräuterbeete um die Häuser herum.

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Ich muß gestehen, daß ich das Vorhaben löblich finde und es nett ist, wenn sich darum bemüht wird, experimentell zu arbeiten. Jedoch ist mir nicht ganz klar, inwiefern sich die Arbeit in diesem Freilichtlabor wirklich mit der in einem mittelalterlichen Dorf vergleichen läßt. Etwa stellt man hier mehrere Sensen her, um feststellen zu können, welche bequemer zu benutzen sind und will daraus dann schließen, daß sie ebenso im Mittelalter benutzt wurden. Bei dieser Art Argumentation gerät man sehr schnell in einen Anachronismus und tappt damit in die Falle Schlüsse zu ziehen, die man einfach nicht ziehen kann. Diese Probleme beginnen jedoch schon viel früher, etwa bei der Konstruktion der Häuser. Diese ist unbekannt. Man wirft also Einflüsse aus dem europäischen Raum zusammen und bietet Möglichkeiten an, wie dies „so gewesen sein könnte“. So gibt es etwa unterschiedliche Dachkonstruktionen zu beschauen. Ohne Frage ist dies interessant, den Erkenntnisgewinn schätze ich für Historiker jedoch eher als marginal ein.

Besser zu nutzen wäre das Freilichtlabor als Ausflugsziel für Schulklassen und eben Reenactmentgruppen.

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Nach dieser Führung machte ich noch eine kleine Runde über den Klosterberg. Hier zwei Bilder von der noch erhaltenen Torhalle des Klosters sowie einer Kapelle. Die Kapelle wird derzeit renoviert und ist nicht zugänglich – man erklärte mir jedoch auch, daß es dort „nichts zu sehen“ gäbe. Keine Malereien. Architektonisch scheint es mir dennoch interessant zu sein. Der Besuchermagnet ist jedoch die Torhalle, in der man sogar noch Bilder an der Wand bestaunen kann – insofern man eine Führung bekommt. Für mich als einzelne Person gab es leider keine…

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Falls Interesse vorhanden ist, empfehle ich einen Ausflug ab April – laut Informationen, die mir dort zukamen, soll da das Dorf, die Zehntscheune, die gerade zu einem Museum ausgebaut wird, sowie die Kapelle zugänglich sein.

Schöne Abenteuer durch das mittelalterliche Deutschland!

Miss A.

Wo bin ich?

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