Glenn Greenwald: No Place to Hide

Dezember 9, 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Nun habe ich nach langen Reisepausen auch dieses Buch fertiggelesen. Ich nahm es nicht mit, weil ich Gewicht sparen wollte und nur der Ebookreader in solchen Fällen ins Gepäck darf. Gerne hätte ich es jedoch schon vorher beendet. Das Thema interessiert mich ohne Frage und ich versuche im ganzen NSA-Wust noch halbwegs auf dem Laufenden zu bleiben. So unter Generalverdacht gestellt und beobachtet lebt es sich nicht angenehm.

Als ich das Buch las, habe ich mich etwa das erste Drittel über Greenwald geärgert. Dies entspricht jedoch den gängigen Rezensionen. Der Mensch, der die Story angeboten bekommt und es anschließend monatelang nicht schafft, seine Kommunikationsmittel zu verschlüsseln. Da kann man doch nur mit dem Kopf schütteln. Er wiederholt immer wieder, wie schwer, wie unverständlich diese Kommunikationsmethoden sind und daß Verschlüsselung einfacher sein sollte. Die Einrichtung der Verschlüsselung meiner Mails dauerte etwa eine Viertelstunde. Man bekommt also unweigerlich den Eindruck, der Mensch wisse nicht, worüber er schreibt. Was schon recht fatal ist, weil ich etwa fürchte, daß er die erhaltenen Materialien nicht immer korrekt einschätzen kann.

Das gefühlt letzte Drittel des Buches spricht dann davon, wie furchtbar es ist, daß die USA seine eigenen Bürger überwachen und spricht einem ins Gewissen. Dies ist insofern fehl am Platz, als die Leser des Buches es vermutlich nur lesen, weil sie das Problem bereits erkannt haben. Gewünscht hätte ich mir mehr Darstellungen und Veröffentlichung weiterer Dokumente. Im Mittelteil wurden Statistiken und interne Dokumente präsentiert und aufgearbeitet.

Als Europäer hat man auch ein kleines Problem damit, daß die Überwachung der Staaten außerhalb der USA nicht problematisiert wird. Dabei konstruiert man auch hier eine Feind-Konstellation und legitimiert dadurch – vielleicht unabsichtlich – die Überwachung der restlichen Welt.

Darin sehe ich durchaus ein Problem, da die Überwachung nicht so nützlich sein kann und es nachgewiesen nicht ist. Es verletzt nur Persönlichkeitsrechte und diese sollten in einem Rechtssaat gewahrt bleiben. Wer weiß jedoch, ob wir noch in einem leben?

Insgesamt war das Buch, abgesehen von den Stellen, über die ich mich sehr geärgert habe, eine willkommene und nette Lektüre. Ich habe es gerne gelesen und einen Überblick über das anfängliche Geschehen aus Sicht Greenwalds bekommen.

Schönes Lesen!

Miss Anthropie

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