Chimamanda Ngozi Adichie: We Should All Be Feminists

Januar 9, 2018 § Hinterlasse einen Kommentar

„We should all be Feminists“ ist ein ganz wunderbarer Essay der nigerianisch-amerikanischen Schriftstellerin und Feministin Chimamanda Ngozi Adichie. An nur einem Abend habe ich ihn quasi verschlungen und freue mich schon auf ein anderes Buch von ihr, das hier bereitliegt.

Ich kann sie verstehen und habe, obwohl sie überwiegend von der nigerianischen Gesellschaft berichtet, in Deutschland ähnliche Erfahrungen gemacht. Von einigen davon habe ich auf diesem Blog bereits berichtet. Wenn man nicht als Mensch wahrgenommen wird, weil man eine Frau ist, ist es eine schmerzhafte Erfahrung und das ist ein Problem nicht nur fremder Gesellschaftern, sondern auch unserer. Man kann natürlich behaupten, es seien „Einzelfälle“ und der Mann habe es „nicht so gemeint“. Dann würde man aber das Problem kleinreden wollen. Wenn ich als Doktorandin an einer Universität als Frau IMMER die Organisation von Veranstaltungen übernehmen soll und meine männlichen Kollegen mit den Gästen kommunizieren, damit das Gesicht gewahrt bleibt. Dann ist das doch bereits eine Schieflage des Geschlechterverhältnisses. Noch mehr, wenn weibliche Referentinnen nicht eingeladen werden, obwohl sie neueste Forschung zum Thema liefern würden, mit dem Argument, es gehe hierbei nicht um Genderfragen, sondern um Inhalte.

Gerade solche Erfahrungen lehren mich, daß es eben nicht um Inhalte geht, sondern das Geschlecht und eines unangefochten benachteiligt wird.

Die Lektüre obigen Essays kann ich herzlich empfehlen. Wir brauchen alle einen Einblick in die Thematik und eine Änderung des derzeitigen Geschlechterbildes. Dies gilt für Männer und Frauen und alles dazwischen und drumherum.

Mit herzlichen Grüßen.

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Überwachung öffentlicher Räume

Dezember 1, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

„Die Kontrolle vollzieht sich durch Beteiligung, in gemeinschaftlicher Mitarbeit und sogar warenförmig. Gerade damit könnte die Demokratisierung helfen, das Problem der Kontrolle zu lösen, das ein Entscheidungsträger von Scotland Yard im Jahre 2008 als das »wahre Fiasko« der Videoüberwachungskameras bezeichnet hatte. Diese Kameras sind tatsächlich unwirtschaftlich und verhältnismäßig ineffektiv. Ihr Einbau und ihre Wartung verlangen nicht nur hohe Investitionen, sondern man muss auch, sobald diese Kameras eingerichtet sind, Leute bezahlen, um die Bilder zu prüfen, was die Kosten beträchtlich erhöht. Diese Technologie dient somit vor allem dem Versuch, bereits begangene Vergehen oder Verbrechen aufzuklären, doch die Qualität der angesehenen Bilder ist oft unzulänglich.“

Fréderic Gros: Die Politisierung der Sicherheit. Vom inneren Frieden zur äußeren Bedrohung, Berlin 2015, S. 219.

Trump veröffentlicht die JFK Akten? – Warum das gar nicht spektakulär ist.

Oktober 27, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

In der letzten Woche sah ich immer wieder die Meldung, daß Präsident Trump sich mit dem „Veröffentlichen“ der JFK Akten brüstet und dies für Verwirrung sorgt.

Dazu sollte man wissen, daß alle Akten einer Schutzfrist unterliegen. Wenn sie Informationen für einen Staat beinhalten oder Informationen über Personen oder gar noch lebende Personen, so kann sich diese Frist unterscheiden. Über den Daumen gepeilt, sind es in Deutschland z.B. etwa 30 Jahre. In den USA unterscheidet sich diese Frist. Nunja, wenn diese Frist abgelaufen wird, werden die Akten nicht „veröffentlich“ als solches, sondern stehen in den Archiven zur Einsicht und Bearbeitung bereit. Meist ist es ein Fachpublikum, das Interesse daran hat, etwa Historiker und Journalisten, um die Geschehnisse aufzuarbeiten. Diese veröffentlichen dann Arbeiten mithilfe der Akten, publizieren Auszüge oder bereiten Quellensammlungen auf. Bei besonders sensiblen Datenbeständen kann diese Frist auch verlängert werden. Soweit ich weiß, stehen im Endeffekt alle Akten irgendwann dem Fachpublikum zur Verfügung. Von „Veröffentlichen“ kann man von Trumps Seite also gar nicht sprechen und auch nicht wirklich davon, daß es seine Entscheidung ist.

Demnächst kann man sich also um mehr Artikel und wissenschaftliche Arbeiten zu dem Thema freuen. Erfahrungsgemäß gibt es dann ganz fix eine Flut, weil jeder der „Erste“ sein will.

Hannah Arendt: Wir Flüchtlinge

September 29, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

Ich habe diese Woche so viel Zeit in den Wartezimmern verschiedener Ärzte verbracht, daß ich unglaublich viel „Freizeitlektüre“ lesen konnte. Gestern hatte die Zeit ausgereicht, um den kompletten Essay „Wir Flüchtlinge“ von Hannah Arendt und Teile des Kommentars zu lesen.

Wie vielleicht bekannt sein mag, ist Hannah Arendt eine deutsche jüdische Intellektuelle, die in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts nach einer Inhaftierung vor dem Hitlerregime in die USA floh. Sie schrieb zahlreiche Arbeiten zur politischen Theorie und im Bereich der Geschichtswissenschaft.

Im Essay selbst vermischen sich die Erfahrungen, die Hannah Arendt gemacht hatte, mit denen anderer jüdischer Flüchtlinge in den USA. Es geht um Identität und Anerkennung der Flüchtlinge im fremden Land und in der fremden Kultur. In der Tat scheint mir dieser Aufsatz sehr aktuell zu sein und die Probleme, die Hannah Arendt anspricht, sind sicher auch auf die Flüchtlinge übertragbar, die in den letzten Jahren in Europa ankamen.

Ich habe das Lesen sehr genossen und sympathisiere mit der Autorin und dem Thema sehr.

 

Hannah Arendt: Wir Flüchtlinge. Mit einem Essay von Thomas Meyer, Stuttgart 2016.

Enttäuschende Bundestagswahl

September 24, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

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Nicht nur die Ergebnisse sind enttäuschend, bzw. bisher die ersten Hochrechnungen, sondern auch das Vorgehen selbst. Seit Jahrzehnten liegen bei uns in den Wahlkabinen nur Bleistifte aus. Daß diese nicht dokumentenecht sind, muß nicht noch erklärt werden. Auch wenn man das bei den Verantwortlichen anspricht, ändert sich nichts. Einen Kulli muß man immer selbst mitbringen, wenn man will, daß die Stimme die bleibt, die sie ist. Da braucht es gar keine unverschlüsselten Datenübermittlungen, die die Wahl manipulieren können. Es beginnt in der Kabine selbst.

Rebecca Solnit: Men Explain Things to Me

September 13, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

In dem Büchlein von nur 159 Seiten werden einige Aufsätze zum Thema Feminismus, Misogynie und Frauenrechte zusammengefaßt. Der Titel des Buches ist gleichzeitig der Titel des ersten Aufsatzes. Dabei beginnt Solnit mit einer Anekdote, die wohl jeder Frau bekannt vorkommen wird, dem Phänomen des „mansplaining“. Ein Mann versucht ihr auf einer Party ihr Buch zu erklären, ohne wahrzunehmen, daß die Autorin gerade vor ihm steht. Oh, davon kann ich ein Lied singen. Weiterhin erklärt Solnit auf leicht lesbare Weise, warum das Thema Feminismus und Frauenrechte noch immer einen hohen Wert in unserer Gesellschaft haben sollten und daß eine Benachteiligung von Frauen innerhalb der Gesellschaft, sei es bei der Rollenverteilung oder Bezahlung schwerwiegende Konsequenzen im sozialen Bereich haben kann. Ich fand das Buch sehr erfrischend und angenehm zu lesen, obwohl es solch ein wichtiges Thema für unsere Gesellschaft behandelt.

Man muß betonen, daß sich das Buch keinesfalls gegen Männer richtet, was Feministinnen immer unterstellt wird.

Mich berührte das Buch vor allem, nachdem ich vor einigen Wochen in einem Blog las, wie sich ein Mann über Feministinnen aufregte und Frauen generell, weil sie keine sexuellen Beziehungen mit ihm eingehen wollten, obwohl er so ein „guter“ Kerl sei. Dabei hinterfragte derjenige nicht, daß Frauen ihm keinen Sex oder Beziehungen schuldig seien. Dies ist ein Phänomen, das mir von weiblicher Seite unbekannt ist. Ich kenne keine Frau, die den Körper fremder Männer beansprucht. Der andere Fall war der, den ich heute in der Zeitung las von der toten Studentin in Freiburg, die vergewaltigt wurde und dann ohnmächtig im Wasser liegengelassen wurde und ertrank. Der Fall ist in vielfacher Weise tragisch und wird in einigen Gesellschaftsgruppen sicher Haß auf Flüchtlinge wecken. Ich glaube jedoch, daß das Problem nicht zwingend nur in der Herkunft des jungen Mannes liegt.

Gelesen habe ich es im englischen Original, es gibt jedoch auch eine deutsche Version.

 

Rebecca Solnit: Men Explain Things to Me, Chicago 2014.

Der Immatrikulationswahnsinn

August 7, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

Besonders zum Wintersemester hin schreiben sich viele junge Student*innen ein und beginnen ein ganz neues Leben ohne Eltern… Zumindest war das bis vor einigen Jahren so. Inzwischen ist das Verwaltungsgebäude zu Immatrikulationszeiten einfach nur Wahnsinn. Ich versuche es zu vermeiden, außer es geht gar nicht anders und ich muß den ein oder anderen Vertrag doch unterzeichnen. Das Personalbüro liegt im zweiten Stock, die Student*innen müssen nur in den Ersten, das muß doch zu regeln sein. Denkste! Wie seit Jahrzehnten stehen Student*innen vor dem Studierendenbüro in einer Schlange, die draußen bis auf die Straße reicht. Das kann nervtötend sein, aber wir mußten alle schon einmal durch und haben das alle erfolgreich ertragen und sind an dieser Aufgabe gewachsen. Was sich geändert hat, sind die Eltern, die nun dabei sind. Die sind weniger kommunikativ und glauben im Recht zu sein, auch wenn sie nicht wissen, wovon. Nunja, als Mitarbeiter*in muß man nicht in das Studierendenbüro, sondern einmal quer durch diese Schlange durch und die Treppe hoch, wie ich sagte: 2. Stock. Das scheint für viele ein Problem zu sein. Die Vorstellungskraft gerät an ihre Grenzen und man wird aufgehalten und auf’s Gröbste an das Ende der Schlange verwiesen. Dies tun nicht die zukünftigen Student*innen, weil die in den meisten Fällen noch den Satz „Darf ich durch? Ich muß die Treppe hoch“ verstehen, sondern die Eltern, die sogar handgreiflich werden und den Durchgang verweigern. Es ist Chaos und unerträglich.

Liebe Eltern, Eure Kinder sind erwachsen genug, sich zu immatrikulieren, sie sind erwachsen genug, alleine zu wohnen und selbständig zu lernen. Laßt ihnen doch die Erfahrung und laßt die armen Mitarbeiter*innen, die einfach nur sicher durch die Gänge wollen in Ruhe. Keine*r hat Lust darauf, von Ihnen angetatscht und angepöbelt zu werden.

Liebe zukünftige Student*innen, Ihr schafft das auch ohne Eltern. Selbst wenn sie Euch fahren, geht doch alleine ins Gebäude, die Mitarbeiter*innen werden sich darüber freuen. Bald seid ihr sowieso mit ihnen alleine. Die meisten Mitarbeiter*innen der Universitäten wollen, daß Ihr gut durchkommt, viel lernt und stehen Euch mit ihrer Hilfe zur Seite. Nutzt das!

Einen erfolgreichen Start ins Erwachsenenleben wünscht Euch,

Miss.