Hannah Arendt: Wir Flüchtlinge

September 29, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

Ich habe diese Woche so viel Zeit in den Wartezimmern verschiedener Ärzte verbracht, daß ich unglaublich viel „Freizeitlektüre“ lesen konnte. Gestern hatte die Zeit ausgereicht, um den kompletten Essay „Wir Flüchtlinge“ von Hannah Arendt und Teile des Kommentars zu lesen.

Wie vielleicht bekannt sein mag, ist Hannah Arendt eine deutsche jüdische Intellektuelle, die in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts nach einer Inhaftierung vor dem Hitlerregime in die USA floh. Sie schrieb zahlreiche Arbeiten zur politischen Theorie und im Bereich der Geschichtswissenschaft.

Im Essay selbst vermischen sich die Erfahrungen, die Hannah Arendt gemacht hatte, mit denen anderer jüdischer Flüchtlinge in den USA. Es geht um Identität und Anerkennung der Flüchtlinge im fremden Land und in der fremden Kultur. In der Tat scheint mir dieser Aufsatz sehr aktuell zu sein und die Probleme, die Hannah Arendt anspricht, sind sicher auch auf die Flüchtlinge übertragbar, die in den letzten Jahren in Europa ankamen.

Ich habe das Lesen sehr genossen und sympathisiere mit der Autorin und dem Thema sehr.

 

Hannah Arendt: Wir Flüchtlinge. Mit einem Essay von Thomas Meyer, Stuttgart 2016.

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Enttäuschende Bundestagswahl

September 24, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

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Nicht nur die Ergebnisse sind enttäuschend, bzw. bisher die ersten Hochrechnungen, sondern auch das Vorgehen selbst. Seit Jahrzehnten liegen bei uns in den Wahlkabinen nur Bleistifte aus. Daß diese nicht dokumentenecht sind, muß nicht noch erklärt werden. Auch wenn man das bei den Verantwortlichen anspricht, ändert sich nichts. Einen Kulli muß man immer selbst mitbringen, wenn man will, daß die Stimme die bleibt, die sie ist. Da braucht es gar keine unverschlüsselten Datenübermittlungen, die die Wahl manipulieren können. Es beginnt in der Kabine selbst.

Rebecca Solnit: Men Explain Things to Me

September 13, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

In dem Büchlein von nur 159 Seiten werden einige Aufsätze zum Thema Feminismus, Misogynie und Frauenrechte zusammengefaßt. Der Titel des Buches ist gleichzeitig der Titel des ersten Aufsatzes. Dabei beginnt Solnit mit einer Anekdote, die wohl jeder Frau bekannt vorkommen wird, dem Phänomen des „mansplaining“. Ein Mann versucht ihr auf einer Party ihr Buch zu erklären, ohne wahrzunehmen, daß die Autorin gerade vor ihm steht. Oh, davon kann ich ein Lied singen. Weiterhin erklärt Solnit auf leicht lesbare Weise, warum das Thema Feminismus und Frauenrechte noch immer einen hohen Wert in unserer Gesellschaft haben sollten und daß eine Benachteiligung von Frauen innerhalb der Gesellschaft, sei es bei der Rollenverteilung oder Bezahlung schwerwiegende Konsequenzen im sozialen Bereich haben kann. Ich fand das Buch sehr erfrischend und angenehm zu lesen, obwohl es solch ein wichtiges Thema für unsere Gesellschaft behandelt.

Man muß betonen, daß sich das Buch keinesfalls gegen Männer richtet, was Feministinnen immer unterstellt wird.

Mich berührte das Buch vor allem, nachdem ich vor einigen Wochen in einem Blog las, wie sich ein Mann über Feministinnen aufregte und Frauen generell, weil sie keine sexuellen Beziehungen mit ihm eingehen wollten, obwohl er so ein „guter“ Kerl sei. Dabei hinterfragte derjenige nicht, daß Frauen ihm keinen Sex oder Beziehungen schuldig seien. Dies ist ein Phänomen, das mir von weiblicher Seite unbekannt ist. Ich kenne keine Frau, die den Körper fremder Männer beansprucht. Der andere Fall war der, den ich heute in der Zeitung las von der toten Studentin in Freiburg, die vergewaltigt wurde und dann ohnmächtig im Wasser liegengelassen wurde und ertrank. Der Fall ist in vielfacher Weise tragisch und wird in einigen Gesellschaftsgruppen sicher Haß auf Flüchtlinge wecken. Ich glaube jedoch, daß das Problem nicht zwingend nur in der Herkunft des jungen Mannes liegt.

Gelesen habe ich es im englischen Original, es gibt jedoch auch eine deutsche Version.

 

Rebecca Solnit: Men Explain Things to Me, Chicago 2014.

Der Immatrikulationswahnsinn

August 7, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

Besonders zum Wintersemester hin schreiben sich viele junge Student*innen ein und beginnen ein ganz neues Leben ohne Eltern… Zumindest war das bis vor einigen Jahren so. Inzwischen ist das Verwaltungsgebäude zu Immatrikulationszeiten einfach nur Wahnsinn. Ich versuche es zu vermeiden, außer es geht gar nicht anders und ich muß den ein oder anderen Vertrag doch unterzeichnen. Das Personalbüro liegt im zweiten Stock, die Student*innen müssen nur in den Ersten, das muß doch zu regeln sein. Denkste! Wie seit Jahrzehnten stehen Student*innen vor dem Studierendenbüro in einer Schlange, die draußen bis auf die Straße reicht. Das kann nervtötend sein, aber wir mußten alle schon einmal durch und haben das alle erfolgreich ertragen und sind an dieser Aufgabe gewachsen. Was sich geändert hat, sind die Eltern, die nun dabei sind. Die sind weniger kommunikativ und glauben im Recht zu sein, auch wenn sie nicht wissen, wovon. Nunja, als Mitarbeiter*in muß man nicht in das Studierendenbüro, sondern einmal quer durch diese Schlange durch und die Treppe hoch, wie ich sagte: 2. Stock. Das scheint für viele ein Problem zu sein. Die Vorstellungskraft gerät an ihre Grenzen und man wird aufgehalten und auf’s Gröbste an das Ende der Schlange verwiesen. Dies tun nicht die zukünftigen Student*innen, weil die in den meisten Fällen noch den Satz „Darf ich durch? Ich muß die Treppe hoch“ verstehen, sondern die Eltern, die sogar handgreiflich werden und den Durchgang verweigern. Es ist Chaos und unerträglich.

Liebe Eltern, Eure Kinder sind erwachsen genug, sich zu immatrikulieren, sie sind erwachsen genug, alleine zu wohnen und selbständig zu lernen. Laßt ihnen doch die Erfahrung und laßt die armen Mitarbeiter*innen, die einfach nur sicher durch die Gänge wollen in Ruhe. Keine*r hat Lust darauf, von Ihnen angetatscht und angepöbelt zu werden.

Liebe zukünftige Student*innen, Ihr schafft das auch ohne Eltern. Selbst wenn sie Euch fahren, geht doch alleine ins Gebäude, die Mitarbeiter*innen werden sich darüber freuen. Bald seid ihr sowieso mit ihnen alleine. Die meisten Mitarbeiter*innen der Universitäten wollen, daß Ihr gut durchkommt, viel lernt und stehen Euch mit ihrer Hilfe zur Seite. Nutzt das!

Einen erfolgreichen Start ins Erwachsenenleben wünscht Euch,

Miss.

Synchronisation von Kalender und Adressbuch in Thunderbird

Juli 25, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

Wenn meine Kollegen mitbekommen, daß meine Notebooks, der Rechner und das Smartphone die Adressen und Kalender synchronisieren, sind sie überrascht und begeistert, weil das so viel Organisatorischen HickHack spart. Das stimmt! Dabei ist das ziemlich einfach, wenn man bereit ist, auf einem Server seine Daten zu halten. Ich habe ein Postfach von Posteo und bin damit sehr zufrieden. Zum Service gehört ein Kalender und ein Adressbuch, welches ich für die Synchronisation nutze. Außerdem kann man es verschlüsseln. Aber auch andere Anbieter bieten diese Funktionen an. Aus Gründen des Datenschutzes, sollte man jedoch nicht etwa google dafür nutzen. Ich weiß jedoch, daß auch die Emails der Universitäten diese Dienste nutzen und ich vertraue ihren Servern mehr als anderen Diensten. Vielleicht ist das eine Alternative?

Auf dem PC nutze ich Thunderbird für die Emails, den Kalender und das Adressbuch. Es funktioniert wunderbar!

Kalender

Der Kalender muß für die Synchronisation CalDav können, am Besten Installiert man unter den AddOns Lightning als Kalender.  Wenn man auch Geburtstage aus dem Adressbuch in den Kalender synchronisieren will, nimmt man das Add-On Birthday Reminder dazu. (Wenn man auf die Links klickt, kann man die Add-Ons direkt runterladen und installieren, sonst kann man sie auch über die Add-On Suchleiste direkt im Thunderbird installieren.)

Wenn das geschehen ist, will Thunderbird eventuell, daß man das Programm neustartet. Um den Kalender einzurichten, geht man in die Kalenderansicht. In der Spalte links werden alle verfügbaren Kalender (Privat) angezeigt. Mit Rechtsklick öffnet sich ein Menü, in dem man den Punkt „Neuer Kalender“ auswählt. Im Folgenden Fenster wählt man „Im Netzwerk“, „CalDav“ und die Adresse des Kalenders, die oft in den Einstellungen oder den Hilfe-Seiten des Emailanbieters zu finden sind. Wenn man das bestätigt, muß man sich mit seinen Emaildaten einloggen. Nach einer Synchronisation ist der Kalender voll nutzbar und zeigt alle Daten und Geburtstage an.

Ich nutze den Kalender beruflich viel und muß Termine nur noch auf dem Smartphone eintragen und habe sie so an allen meinen Geräten zur Verfügung.

Adressbuch

Was ich ebenfalls nützlich finde, ist die automatische Synchronisation der Adressbücher. Ich muß einen Kontakt nur ein Mal hinzufügen und habe ihn auf allen Geräten gleich verfügbar. So muß ich selbst bei Datensicherungen keine Angst haben, daß ich Kontakte verlieren könnte.

Auch hier braucht man ein Adressbuch auf einem Server, auf das die Geräte zugreifen können. Dazu braucht man, für Formate des CardDav (beim Emaildienst nachsehen) den SoGoConnector, den man hier herunterladen muß. Mit einem Rechtsklick und „Ziel speichern unter“ die Datei im Downloadordner ablegen. Nun muß man im Thunderbird unter den Add-Ons oben auf das Zahnrädchen klicken und im Menü den Punkt „Add-on aus Datei installieren“ auswählen. Als Datei wählt man die gerade heruntergeladene.

Anschließend geht man in das Adressbuch und wählt unter „Datei“ > „Neu“ den Punkt „Remote Adressbuch“. Erneut wird man nach der Adresse dafür gefragt, die man in den Einstellungen des Emailanbieters findet (zumindest sind bei mir dort die Adressen verzeichnet). Man muß sich auch hier mit seinen Daten anmelden, bevor das Adressbuch synchronisiert wird. Nun hat man darauf zugriff und kann sich einige Arbeit erleichtern und Zeit sparen.

 

Gerade gestern habe ich meinen Computer neu installiert und mußte daher die Adressen etc. neu synchronisieren. Ich dachte, daß es eventuell auch für andere behilflich sein könnte, da man bedenkt, daß viele das Problem der vielen Adressbücher haben. 🙂 Mir macht es die Arbeit auf jeden Fall etwas leichter.

Falls Ihr Fragen habt, stehe ich gerne zur Verfügung.

Liebe Grüße!

Der kleine Sexismus im Alltag 2

Juli 21, 2017 § 2 Kommentare

Beim Abendessen wurde meinem Verlobten doch wirklich gesagt, daß die zwei „Männer“ am Besten alleine die politische Diskussion weiterführen sollten, weil die Frauen ja hysterisch sind und keine Ahnung haben, wovon sie reden. Die Frauen hatten dabei in der Runde die höheren Abschlüsse und waren einfach nur anderer Meinung.

Hysterie und Frausein scheint heutzutage synonym verwendet zu werden. Welch eine Welt!

Der große Wunsch nach Leichtigkeit im Leben

Juli 19, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

Den Wunsch, daß das Leben leichter, bunter, schöner wäre, hege ich auch. Ich mag den Gedanken, daß es doch ganz einfach laufen kann, wenn man nur etwas Mut hat und Schönes macht. Irgendjemand wird es mögen. Man kann so bestimmt sein Leben bestreiten. Man schreibt über Erfolgsgeschichten, weil alles andere sich nicht zu schreiben lohnt, um Mut zu machen und zu inspirieren. Wenn der Gedanke auch noch so schön sein mag: Erfolg haben mit schönen Dingen kann jeder, aber nicht alle.

Ich liebe schönes Papier zum Schreiben, zum Basteln, für Handwerkszeug. Ich liebe es Briefe zu verschicken und Postkarten und ich liebe es, sie selbst herzustellen. Ich male und manche finden es sogar hübsch und das macht mich glücklich, weil ich mir vorstelle, die Welt um mich herum etwas netter und bunter zu gestalten. (Ich meine, wer freut sich nicht über einen Brief oder eine Postkarte?)

Weil ich schöne Illustrationen und Papier mag, kaufe ich mir manchmal die Zeitschrift flow. Ich vermute, ich bin zumindest teilweise Zielpublikum. Frauen, halbwegs klug, mit einem Hang zum Schönen und einer Liebe zum Papier (die Illustrationen sind auch wahnsinnig schön und ansprechend). Leider fürchte ich, daß ich zu kritisch bin und das macht mir diese Schön-Rede-Welt kaputt. Die Artikel sind für mich furchtbar. Es ist immer der gleiche Quark. Man muß sich trauen, dann hat man Erfolg mit seinen Vasen, Schmuck, Bildern, Musik. Was ist eigentlich mit all den Arbeiten, die weniger ästhetisch sind und dennoch erledigt werden müssen, haben diese Menschen keinen Anspruch auf Schönheit im Leben? Sind das nicht auch großartige Erfolgsgeschichten? Die werden, meiner Meinung nach, zu wenig geschätzt. In der letzten Ausgabe (flow Nr 26) gab es einen Artikel über „Mutige Frauen in Afghanistan“ (S. 46-50), in dem es um Frauenrechtlerinnen aus Afghanistan geht, die etwas im Land zu bewirken versuchen. Großartig! Wichtig! Ich habe so gerne über diese Frauen gelesen, weil ich glaube, daß es wichtig ist, die Welt zum besseren zu verändern. (Oder es zumindest zu versuchen.) Eine der Frauen, um die es geht, muß aus Angst vor einem Übergriff wegen Morddrohungen täglich einen anderen Weg zur Arbeit nehmen, um dennoch ihren Radiosender betreiben zu können. Eine andere lebt für Musik und eine dritte für das Radfahren, was ihnen von der männlich dominierten Gesellschaft nicht gestattet ist. Es ist der kleine und große Kampf für Freiheiten, die diese Frauen führen.

Wie gesagt, genoß ich das Lesen über diese Schicksale sehr. Leider machte die Autorin, Nahid Shahalimi, gerade mit dem letzten Absatz ihres Artikels alles zunichte. Sie schrieb, daß die Schicksale dieser Frauen zeigen, daß „man […] nur ein gutes Herz, Leidenschaft und Mut [braucht], um etwas zu bewegen – nicht nur in Afghanistan, sondern überall auf der Welt. Und all das gibt es umsonst, es steckt schon in us.“ Vielleicht bin ich zu kritisch, aber ich stolperte nicht nur über diesen Satz, er schien mich regelrecht im Anlauf ins Gesicht zu boxen. Zum einen glaube ich, daß in jedem Krisengebiet mehr notwendig ist als ein gutes Herz, Leidenschaft und Mut, um etwas zu bewegen. Man muß auch Verbindungen haben, etwas Glück und mindestens einen Menschen, der einen unterstützt. Sonst steht man schnell auf verlorenem Posten. Das zweite, was mir mißfällt ist, daß man das als „leicht“ empfindet. Es klingt wie ein Vorwurf an alle die Frauen, die das nicht können oder tun. „Man braucht doch nur etwas Mut und ein gutes Herz“. Was soll das also, ihr schlechten, leidenschaftslosen Feiglinge? Wärt ihr nicht, wäre die Welt besser! So einfach ist das sicher nicht. Es ist die Erste Welt Mentalität, die anderen aufgedrängt wird und die nicht einmal hier funktioniert! Nur dieser Satz klingt für mich wie eine wahnsinnige Beleidigung aller Menschen, die ihr Leben dem Guten widmen, die dafür kämpfen, daß die Welt besser wird. Warum nicht Anerkennen, daß es eine Leistung ist, für seine Leidenschaften zu kämpfen? Warum muß man sagen, daß alle das können sollten, daß man doch gar nicht so viel dafür braucht?

Es kann eben jeder Erfolg haben, aber nicht alle. Nicht jedem fällt der Erfolg zu, für manche Errungenschaften, Rechte und Freiheiten muß man eben kämpfen. Das ist nicht leicht, egal wie sehr man wünscht, daß es leicht wäre.

Ein paar Gedanken am Nachmittag…

Liebe Grüße