Freiheit

Juni 12, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

Vorgestern hatte ich eine hitzige Diskussion mit meinem Vater, der ein großer Fan von Trump und Putin ist. Er wetterte über alle anderen Staatsoberhäupter, wie lächerlich und furchtbar sie wären. Ein Beispiel war Frau Merkel, die bei einem Treffen mit Putin wohl geäußert hätte, daß sie sich „Sorgen um die Homosexuellen“ machte. Wenn sie in Rußland sind, finde ich diese Sorge durchaus nachvollziehbar. Leider ist die russische Gesellschaft sehr ablehnend gegenüber Homosexuellen.

In dieser Diskussion kam ich nicht dazu zu fragen, warum man die Freiheit haben sollte, jeden zu hassen, aber nicht jeden zu lieben.

Wann Gewohnheit gefährlich wird

Juni 1, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

In vielen Situationen können Gewohnheiten nützlich sein. Die Gewohnheit nach der Schule die Hausaufgaben direkt zu machen, die ich dank meiner Mutter hatte. (Oh, war das eine harte Arbeit, mir das beizubringen.) Oder die Gewohnheit direkt nach dem Kochen aufzuräumen, so sammelt sich nicht so viel an. Andere Gewohnheiten sind weniger praktisch im Alltag und können sogar zu Problemen führen. Die Gewohnheit etwas nicht zu tun, ist nämlich auch nicht nur Müßiggang, sondern eben eine Gewohnheit, Tätigkeiten sein zu lassen. Die fehlende Gewohnheit täglich zu saugen, wenn man einen Hund hat – bald hat man die Wohnung voller Haare. (Die Gewohnheit zu saugen, mußte ich mir aneignen, weil ich nicht in der haarigsten Wohnung der Welt leben wollte und man hat dieser Kurzhaarhund viele Haare, die ihm ausfallen.)

Viele Gewohnheiten, die im Alltag ausgelebt werden, können aber nicht nur lästig, sondern auch gefährlich werden. Etwa die Gewohnheit schroff zu seinen Kindern zu sein, weil man dann eventuell nicht mehr merkt, wenn Grenzen überschritten werden – und ja, man kann mit Worten verletzen. Oder die Gewohnheit, die manche Kinder annehmen, andere Kinder (leider oft immer dieselben) zu ärgern/beleidigen/mobben. Es ist oft dann keine rationale Entscheidung mehr, wenn es denn jemals eine war, gegen das Kind X vorzugehen, sondern eine Gewohnheit, die dem Kind X die Schule unerträglich machen kann. Ich selbst traf jedoch auch schon auf Kinder, die fremde Erwachsene (in diesem Fall mich) beleidigten und über die Straße beschimpften, während ihre Mutter sie schweigend an der Hand hielt und hinter sich her zog. Man ist dieses schräge und schädliche Verhalten derart gewöhnt, daß man blind für die Auswirkungen sind. Dabei geht es nicht nur um den fremden Menschen, der da lauthals vom eigenen Kind angepöbelt wird, sondern auch das, wohin diese Ignoranz des schädlichen Verhaltens führen kann. Was wird aus diesem Kind denn werden, wenn es dieses Verhalten nicht irgendwann ablegt?

Gewohnheiten bringen uns auf höherer Ebene aber auch dazu, aus Gewohnheit solch negativer Verhaltensweisen von anderen, zu viel zu tolerieren. Man toleriert Fehlverhalten anderer bereitwilliger, weil man es gewohnt ist. Wenn Trump andere Staatsoberhäupter aus dem Weg schubst, um selbst ganz stolz ganz vorne zu stehen, so ist das einfach nur befremdlich. Aber man toleriert es, weil man nicht anecken will, weil man selbst sich nicht auf „dieselbe“ Stufe stellen will. Es kann gefährlich sein, sich an bestimmte Sachen zu gewöhnen, an Umstände und nicht mal einen Schlußstrich zu ziehen und seine Meinung zu sagen.

Es ist nicht ok, wenn Kinder Erwachsene anpöbeln, die sie nicht kennen. Es ist nicht ok, fremde Menschen herumzuschubsen und es nicht ok, einander zu mobben. Man sollte sich nicht an schlechte Sachen gewöhnen müssen. Handeln sollte rational bleiben und eine Entscheidung, die man trifft. Und wann würde man sich aus Vernunft je dazu entscheiden, Menschen aus dem nichts heraus zu beleidigen? Das wäre ja verrückt.

So viel zu meinen Gedanken heute. Ich würde mich sehr freuen, Eure Meinungen dazu zu hören.

Liebe Grüße,

Miss

 

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Hidden Treasures

Mai 25, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

Falls jemand diesen Film nicht gesehen hat, wird es langsam Zeit. Holt es nach! Unbedingt! Es ist ein Film, der längst überfällig gewesen ist und mich so tief berührt hat.

Ich liebte die Frauenrollen, alle. Starke Frauen ist etwas, was mich in Filmen und Büchern sehr begeistert. In diesem Film waren die Rollen großartig besetzt und umgesetzt. Es war spannend und ich fühlte mit. Selten habe ich um den Erfolg der Frauen mitgefiebert und sie so gerne rechnen gesehen wie in diesem Film.

 

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Trevor Noah: Born a Crime

Mai 23, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

Trevor Noah, ein südafrikanischer Comedian, der es inzwischen zu einer eigenen Sendung im amerikanischen Fernsehen geschafft hat, veröffentlichte ein Buch – ein biographisches Werk. Ich würde gerne wissen, welchen Leser man ansprechen wollte, ich gehörte sicher nicht zur Zielgruppe. Dennoch finde ich es lesenswert, diese Hommage an seine Mutter, die es offenbar vollkommen verdient hat.

In seiner Erzählung springt Trevor Noah zeitlich manchmal extrem. Von einem Vorschulkind zur Pubertät zum jungen Erwachsenen und dann wieder zurück. Allerdings hatte ich dies gar nicht als störend empfunden. Viel mehr glaubte ich einen roten Faden zu erkennen. Besonders spannend fand ich den Einblick in das Leben Südafrikas aus Sicht der einheimischen Bevölkerung. Diese Innensicht macht mir das Buch sympathisch und an einigen Stellen mußte ich laut auflachen, was bei Büchern gelegentlich mal passiert. Hier fiel das aber sogar mir auf.

Etwas, mit dem ich nicht so gut konnte, war manchmal die sehr lockere Wortwahl, die Comedians im Englischen benutzen. (Ich habe es übrigens im Original gelesen.) „Shit went down“ ist ein Satz, den man hundertfach in diesem Buch findet. Diese Sprache bin ich eher nicht gewohnt und störte mich nur in ein, zwei Absätzen daran – ich fand, daß es manchmal nicht paßte. Aber hey, was weiß ich von den Gedanken, die andere Menschen haben. Oder war das nur die Stilisierung durch einen Comedian?

Ganz spannend war auch die Familie, in der der Autor aufwuchs. Eine gemischte Familie, die es so während der Apartheid nicht geben durfte. Eine starke Frau, die alles alleine schaffen will und ihr Sohn, der nur schwer zu bändigen gewesen ist. Schwierige Beziehungen, Familienprobleme und dann ist da auch noch die Schule, Pubertät und sonstige Probleme, die in einer Gesellschaft, die auf Rassentrennung besteht, nicht einfacher werden. Und dann wäre da noch das Überleben, weswegen man als Mutter wohl manchmal auch den Sohn aus dem fahrenden Auto schubsen muß. Noch nie habe ich Probleme von Aufwachsenden so gierig gelesen. Innerhalb von wenigen Tagen war das Buch durch.

Das Spannendste für mich waren vor allem die Einblicke in ein reales fremdes Leben, ein wenig Spionieren und „in die fremden Fenster gucken“, die Erfahrungen einer fremden Kultur und Gesellschaft. Ich habe das Lesen genossen, auch wenn das Buch stark parfümiert bei mir ankam und ich den Geruch vor dem ersten Lesen erst lange auslüften habe müssen. (Ob das Absicht war und das bei anderen auch so ankommt?)

Seine Show finde ich aber auch ganz nett. 😉

Viel Freude am Lesen,

M.A.

Trevor Noah: Born a Crime. Stories from a South African Childhood, New York 2016.

 

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Kunst

Mai 14, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

Es war ein furchtbarer Morgen, ich war noch müde und wußte nicht wohin, also setzte ich mich an die Arbeit. Ich suchte nach Bildern, die bestimmte Aufstände und Unruhen darstellen – gefunden habe ich schlittschuhlaufende Eulen. Großartig! Und plötzlich war mein Tag wunderschön. Die Eulen würde ich gerne mit euch teilen und hoffe so auch euren Tag etwas zu versüßen.

Das Bild ist anzusehen auf der Seite des Rijks Museum.

Frauenlogik

Mai 9, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

Uh, hatte ich eine Diskussion mit meiner Mutter, als diese mir letztens einen Witz erzählte, in dem es um „Frauenlogik“ ging. Als ich sie auf die Problematik ansprach, entgegnete sie mir, daß Frauen ja wirklich anders denken würden als Männer und vieles nicht verstehen. Nun, das verstand ich auch nicht.

Für mich ist es schwierig, wenn Männder Frauen als dümmer oder weniger fähig bezeichnen. In meinem Elternhaus, jedoch auch bei ihren Eltern war dies ebenfalls der Fall. Als Spätausiedler aus Russland bzw. damals der gerade zerfallenen Sowjetunion hat man dieses Verhalten und diesen Sprech einfach noch in den Knochen. Gerade in Osteuropa scheint mir das Problem noch krasser zu sein als in den westlichen Ländern. (Wie ich jedoch hier schrieb, ist es auch hierzulande noch nicht bei allen angekommen, daß Frauen einige Rechte haben.) Was mich aber sehr freut, ist daß es im Osten seit einiger Zeit bereits politische Bewegungen gibt, die die Frauenrechte stärken und mit alten Vorurteilen abrechnen. Und dafür wird es Zeit! (Hier habe ich zum Beispiel einen russischsprachigen Kanal gefunden, der sich erfolgreich an die junge Bevölkerung wendet.) Was ich interessant finde und vollkommen nachvollziehbar ist, daß das Vokabular in Großteilen englisch zu sein scheint.

Von meinen Eltern habe ich einiges an Sexismus gehört im Laufe meines Lebens, das aber wirklich gar nicht hängen geblieben ist. Meiner Schwester erging es da leider anders. „Frauen sind schwächer.“ „Als Frau mußt du nachgeben.“ „Als Frau mußt du einfühlsam sein, sonst wirst du nie geliebt.“ „Frauen können das nicht.“ „Wenn du ein Junge wärst, würde ich dir das beibringen.“ All das wurde mir gesagt und all das machte mich nur sturer und ich wollte mehr tun, machen, ausprobieren. Ganz gefühllos wurde ich dennoch nicht und ich werde geliebt – auch von meinen Eltern.

Vor einigen Wochen aber erzählte mir meine Mutter diese Witze und die machten mich endlos traurig und wütend zugleich. Vor allem, weil sie Wahrheiten darin erkennen wollte. Daß Frauen, mit denen sie es täglich zu tun hat, genau solche seien. Ja, es sind Frauen aus einer Gesellschaft, die zwar vorgab Frauen zu schätzen (vor allem ihre Arbeit), in der Sexismus aber immernoch Gang und Gebe ist. Das versuchte ich ihr klarzumachen und tat es hoffentlich erfolgreich.

Also liebe Frauen (und Männer) schätzt euch selbst und eure Gegenüber. Ihr gewinnt nichts dabei, wenn ihr einen Teil der Gesellschaft schlecht macht, zu dem ihr selbst gehört.

Liebe Grüße,

M.A.

Paul Auster: Timbuktu

Mai 7, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

Eigentlich habe ich viel zu lange gebraucht, um dieses Büchlein fertig zu lesen. Nicht, daß es schlecht war, ich mochte Mr. Bones, aus dessen Sicht das Buch verfaßt ist, sehr gerne. Aber irgendwie wurde ich persönlich nicht mitgerissen.

Erzählt wird ein umbruchreicher Ausschnitt aus dem Leben von Mr. Bones. Mr. Bones ist eine Promenadenmischung, ein Hund, der bei und mit Willy G. Christmas aufwächst. Von Willy G. Christmas lernt er viel und bereits mit ihm die Welt, was er leider nicht lernt ist das Lesen. So kommt es, daß Mr. Bones eines Tages ganz auf sich alleine gestellt ist und sein Leben eine Wendung nimmt.

Ich mag Mr. Bones und Willy G. Christmas ist auch ein netter Charakter, den Paul Auster gut auswählt und in Szene setzte. Auch mochte ich die Handlungen, auch wenn ich zu Beginn nicht ganz mitgerissen wurde. Den Rest des Buches las ich an zwei Tagen durch. Vor einigen Stunden erst beendete ich es und wollte die ganz frischen Eindrücke mit euch teilen.

Was mir leider so ganz und gar nicht gefiel, war leider das Ende. Zu abrupt und unvorhergesehen, als wollte der Autor dem Ganzen schnell ein Ende setzen, weil die Story sich nicht so recht entwickeln wollte. Es enttäuschte mich, gerade weil Mr. Bones mir so ans Herz gewachsen ist.

Als Hundebesitzerin habe ich jedoch so manches mal von Buch aufschauen müssen und habe mich jedes Mal gefragt, ob auch mein kleiner wuseliger Pupser ähnlich denkt. Wer weiß. Meiner versteht mich vermutlich nur nicht so gut, weil er aus Rumänien kommt und dort Deutsch sicher nie gelernt hat.

Noch einen kleinen Nachtrag zur Übersetzung: Einige Wortwitze wären im Englischen sicher um einiges besser, wer kann, sollte es im Original lesen. Leider habe ich dies nicht getan.

Mit herzlichen Grüßen,

Miss A.

Paul Auster: Timbuktu, Hamburg 2015.